Die Bahn hat eine Zukunft

Bahn hat Zukunft-CoverDie Kaltenleutgebner Bahn – was für eine Chance!

Okay. Es gibt nun also eine Studie, die im Auftrag des VOR die verschiedenen Möglichkeiten für den Öffentlichen Verkehr im Kaltenleutgebner Tal untersucht hat. Sie kommt zum Ergebnis, dass „die Wiederaufnahme eines Bahnbetriebes in unterschiedlichen Varianten auf Grund der hohen Investitionskosten bei vergleichsweise niedrigem Fahrgastpotenzial nicht vertretbar ist.“ Einig sind sich aber alle, dass die Trasse erhalten bleiben soll, falls es einmal eine neue technologische Lösung geben sollte. Damit hakt man das Thema ab und will sich auf die „Beschleunigung der bestehenden Busverbindungen“ konzentrieren. Da die Busse aber ebenso wie die Privat-Pkw im Stau stehen werden, wird das mit der Beschleunigung wohl nicht ganz so aufgehen. Wer wirklich eine Lösung will, muss das ganz anders denken …

Die Kaltenleutgebner Bahn – einmal ganz anders gedacht

In jedes Gebäude mit mehr als drei Etagen wird heutzutage ein Lift eingebaut. Wenn es barrierefrei sein soll sogar schon, wenn es nur einen Höhenunterschied zu überwinden gilt. Niemand fragt sich dabei, ob so eine Investition vertretbar ist. Im Gegenteil: eine Wohnung oder gar ein Büro im fünften oder sechsten Stock ohne Lift ist praktisch unverkäuflich. Dementsprechend viel Aufwand wird auch getrieben, um Gebäude auch nachträglich mit einem Lift auszustatten.

Was wäre nun, wenn die Trasse der Kaltenleutgebnerbahn nicht als Bahn sondern als Lift  genutzt wird? Bei den Stationen gäbe es beispielsweise einen Rufknopf und in der Kabine gäbe es ein Tablett, wo man einen Knopf drücken kann, um dem Lift mitzuteilen, wo man aussteigen will. Moderne Lifte lernen und wissen mit der Zeit, wo die Kabinen über den Tag verteilt jeweils benötigt werden. Ihr „Fahrplan“ ergibt sich aus dem tatsächlichen Bedarf. Und im Gegensatz zu herkömmlichen Liften können auf Geleisen auch mehrere Kabinen gekoppelt werden, falls zu Spitzenzeiten ein größeres Fassungsvermögen benötigt wird. Das hätte den Vorteil, dass die Kabinen eher klein gehalten werden können (10 bis 12 Personen Fassungsvermögen müssten reichen) und sich z.B. der Energieaufwand an den tatsächlichen Bedarf anpasst. In einem Lift gibt es auch keinen Chauffeur, was sich entscheidend auf die Betriebskosten auswirkt. Rein technisch wäre das bei allen nötigen Sicherheitsvorgaben auch schon realisierbar.

Die Kabinen wären natürlich elektrisch angetrieben und mit Akkus ausgestattet. Diese könnten in der betriebsarmen Zeit aufgeladen oder einfach gegen voll geladene ausgetauscht werden, falls es schneller gehen muss. Und auch die Bremsenergie kann auf der abschüssigen Strecke genutzt werden, um die Akkus zu laden. Damit könnte die Trasse im Prinzip, so wie sie jetzt schon ist, befahren werden. Natürlich müssten sich die Kabinen superleise bewegen, mit erneuerbarer Energie versorgt werden und auch das Design muss was hermachen. Hier wäre aber durchaus großes Potenzial für ein weiteres Wahrzeichen.

GUT, ABER WER SOLL DAS BEZAHLEN?

Bei einem herkömmlichen Lift werden die Errichtungs- und Betriebskosten in die Kosten des damit versorgten Gebäudes inkludiert bzw. wird eine Lifteigentümergemeinschaft errichtet, über die die Kostenverteilung und die Betreuung organisiert wird. Dieses Modell könnte durchaus auch für unser Projekt als Vorlage dienen, wenngleich es wohl etwas komplexer, aber damit nicht unbewältigbar wird. Die „Lifteigentümergemeinschaft“ könnte aber so offen konzipiert sein, dass alle an der Strecke Wohnenden bzw. jene, die den Lift regelmäßig nutzen wollen, partizipieren können. Darüber hinaus ist auch die Öffentliche Hand gefragt, da bei der Verkehrsproblematik in unserer Region sicher ein öffentliches Interesse gegeben ist. Und sie wird sich auch nicht nobel heraushalten können, wenn schon von privater Seite ein entsprechendes Investitionsangebot vorliegt.

Sinnvollerweise wird man die Einrichtungsphase auch als Forschungsprojekt anlegen, was es ja tatsächlich auch ist, womit zahlreiche Fördertöpfe angezapft werden können. Und wenn man es einigermaßen geschickt aufsetzt, werden sich auch die laufenden Betriebskosten in vergleichsweise sehr überschaubaren Dimensionen bewegen.

Also – mit ein bisschen Phantasie und dem nötigen politischen Willen ließe sich auf der Trasse der Kaltenleutgebnerbahn ein echtes Vorzeigeprojekt mit wahrem Leuchtturmcharakter verwirklichen, das die Problematik der suburbanen Mobilität vorbildhaft angeht.

DER NÄCHSTE SCHRITT

Der nächste Schritt ist eindeutig die Bildung einer Projektgruppe, die aus dieser Konzeptskizze ein konkretes, durchgängig umsetzbares Projekt macht, die dazugehörigen Verhandlungen führt und die Partizipationswilligen koordiniert respektive animiert. Nicht nur als Mobilitätsgemeinderat sondern auch als unmittelbar betroffener und partizipationswilliger Anrainer – wir leben hier quasi auf Augenhöhe mit der Bahn – bin ich gerne bereit mindestens den Geburtshelfer für diese Projektgruppe zu machen. Wer sich also inspiriert fühlt und von Anfang an bei einem genauso phantastischen wie herausfordernden Projekt dabei sein will, möge sich bitte bei mir melden.

Kabinen

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Zwischen Privat und Öffentlich

IMG_2989Auf dieses Meditationsdiagramm sind wir heute bei der Sommerklausur der Perchtoldsdorfer Grünen gestoßen. Es ging um Mobilität und Bildung, Öffentlicher Raum und auf einmal war auch die Privatsphäre da. Die heilige Privatsphäre, die heutzutage das einzig wirklich anstrebenswerte Ziel zu sein scheint, die Ungestörtheit, die Kontrolle, die Sicherheit.

Klar ist, dass die Privatsphäre auf Kosten des Öffentlichen Raumes ausgeweitet wurde. Weniger Staat, mehr Privat war die durchschlagende Maxime der letzten Jahrzehnte. So erfolgreich, dass das Private heute aufgebläht scheint und eine Blase nach der anderen erzeugt und alles Staatliche, das gemeinsam Organisierte, ausgezehrt und kraftlos darnieder liegt.

Aber wann beginnt Öffentlichkeit? Bzw. wo endet Privatheit? Für viele scheint Öffentlichkeit dort zu beginnen, wo mehr als ein Mensch dem Gesprochenen zuhört. Wenn zwei oder mehr Menschen zuhören, ist man schließlich schon in der Unterzahl und es gibt Zeugen. Das Gesprochene kann gegen einem selbst verwendet werden. Das was man spricht, bekommt dadurch ein anderes Gewicht. Und es ist quasi irreversibel in die Welt gesetzt.

Man verpflichtet sich, übernimmt Verantwortung für das, was man spricht, belastet sich. Und das ist gar nicht sexy in einer Welt, wo einem jede Last abgenommen wird, soferne man dafür zahlen kann bzw. gewillt ist, das zu tun. Je bequemer es sich in der eigenen Privatheit einrichten lässt, umso weniger hat man den Drang nach „draußen“ zu gehen, in eine unkontrollierbare und unberechenbare Öffentlichkeit, wo einem Ungemach dräuen könnte.

Was bedeutet es aber, wenn alle die reine Privatheit pflegen und die Öffentlichkeit denen überlassen, die ihnen bezahlterweise diese Last abgenommen haben? Eines ist völlig klar: die Menschen werden der Öffentlichkeit entwöhnt und damit jenen Dingen, die nur im Öffentlichen Raum entstehen können, als da sind: Demokratie, Bildung, Mobilität mitsamt ihren Folgeerscheinungen und allem, das geschickterweise kollektiv organisiert wird.

Im Öffentlichen Raum entsteht Verbindlichkeit. Und zwar umso mehr Verbindlichkeit, je mehr ZeugInnen es gibt. Es wird eine Wahrheit erzeugt und bezeugt. Eine Wirklichkeit geschaffen, in der die Beteiligten hinkünftig ihr Leben verbringen. Öffentlichkeit entsteht dort, wo auf kommunikativem Weg Wirklichkeit gestaltet wird, wo Wirklichkeit, wo Zukunft verhandelt wird.

Wenn die Öffentlichen Räume ausdünnen, stagniert eine Gesellschaft demnach mehr und mehr. Und wer hätte heute nicht das Gefühl, das wir eigentlich schon vor 40 Jahren so weit gewesen wären, die nächsten weiterführenden Schritte zu setzen? Der gesellschaftliche Fortschritt ist nur mehr ein schleichender, weil wir die Öffentlichen Räume dem Verkehr in privaten Isolationstanks überlassen haben. Für Demokratie, Bildung und Mobilität, hier durchaus auch als geistige Mobilität zu verstehen, ist tendenziell oder schon real kein Platz mehr.

IMG_2994Es muss daher in erster Linie darum gehen, dem Öffentlichen mehr Raum einzuräumen. Aber schauen wir uns zunächst an, wie Öffentlichkeit und Bildung zusammenwirken.

Zunächst gibt es da den afrikanischen Sinnspruch: „Um ein Kind großzuziehen braucht es ein ganzes Dorf.“ Dorf kann hier unschwer als Metapher für Öffentlichkeit erkannt werden. Das ist auch leicht nachvollziehbar, wenn man sich vorstellt, welche mentale Gestalt ein Mensch annimmt, der ausschließlich in seiner eigenen Privatheit, ohne jeden Kontakt zu einem anderen Menschen, aufwächst. Er müsste ohne dem über Generationen generierten Wissen auskommen.

Klar, die Anhänger der Privatheit werden nun sagen: Freilich muss man von anderen lernen, aber ich will die Kontrolle darüber haben, von wem meine Kinder lernen sollen. In Sorge um das Wohl der Kinder ist es ja auch durchaus legitim zu prüfen, welchen Einflüssen das Kind ausgesetzt ist. Aber wenn man sich einmal in seiner Privatheit wohlig und sicher eingerichtet hat, ist man natürlich bestrebt, sie in diesem Zustand zu konservieren. Es passt eh alles, wieso sollte etwas verändert werden? Veränderung bedeutet schließlich immer auch, die Wände der Schutzhülle einzureißen und frische Luft hereinzulassen. Dabei schwingt immer auch die Gefahr mit, dass plötzlich die Legitimität der ethischen Fundamentierung in Frage steht, was zu schweren Irritationen und Ungemach führen kann.

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Mobilität 2500

Wie werden wir uns in 500 Jahren bewegen? Eine Skizze.

Ich weiß, heutzutage gilt der Versuch, eine Art Zukunftsprognose über ein paar Jahre hinaus zu erstellen, als ziemlich verrückt. Dennoch kann er unternommen werden. Es hängt alles nur von den Annahmen ab, die zu treffen sind. Was kann mensch über die Welt in 500 Jahren sagen? Unvorhergesehene Ereignisse wird es sicher geben, aber die erste Annahme, die ich treffe, ist die, dass sich alles einigermaßen „normal“ weiterentwickelt und Unvorhergesehenes die Entwicklung höchstens verzögert – oder beschleunigt.

Die zweite Annahme, die ich treffe, und die ich doch für einigermaßen plausibel halte, ist die, dass die Menschheit bis dorthin nicht aussterben wird, jedenfalls nicht zur Gänze. Wie jede andere Population auch wird sie trotz mitunter katastrophalen Rückschlägen immer so lange wachsen, so lange kein limitierendes Moment wirksam wird. Diese limitierenden Momente sind bei Populationen jeder Art die Wasserversorgung und das Nahrungsangebot, sowie Sonne, Luft und Platz, alle überlebenswichtigen Bedürfnisse eben. Sonne und Luft dürften noch lange reichen, schwieriger schon wird Wasser und Nahrung, dicht gefolgt von Platz. Jean Ziegler meint z.B., dass die Erde gut 12 Milliarden Menschen ernähren könnte. Der Weltbevölkerungszähler zeigt momentan 7.125.113.900 Menschen an, bei einem Netto-Zuwachs von etwa 36.000.000 allein dieses Jahr. Wir dürften noch im eher linearen Abschnitt einer logistischen Populationswachstumskurve sein, was bedeutet, dass die 12 Milliarden in allerspätestens 100 Jahren erreicht wären.

Im Jahr 2500 sollten wir also alle Krisen, die mit dem aktuell enormen Wachstum der Weltbevölkerung zu tun haben, bereits in irgendeiner Form bewältigt und relativ weit hinter uns haben. Wie wird es dann auf der Welt aussehen? Wie und wo werden die Menschen leben? Wie werden sie sich über die Erde verteilt haben? Zur Verteilung gibt es nur zwei Extremwerte: entweder sind alle 12 Milliarden Menschen gleichmäßig über die Erde verteilt, oder – die andere Extremlage – sie leben alle miteinander in einer globalen Megamegacity auf engsten Raum. Tatsächlich wird es wohl irgendetwas dazwischen sein bzw. eine Mischform, wie jetzt auch schon. Sowohl Agglomerationen als auch dünner besiedelte Gebiete.

Hier wird wohl der Energieaufwand, also die Energie, die notwendig ist, ein System aufrecht zu halten, die letztlich bestimmende Größe werden. Die Strukturen, in denen die Menschen leben, werden sich bis dorthin energetisch optimiert haben. Sie werden so sparsam und effektiv wie möglich z.B. den Mobilitätsbedarf abdecken, vor allem angesichts knapper Ressourcen. Auch diverse Peaks werden dann ja schon lange Geschichte sein und die Menschen werden gelernt haben müssen, mit den vorhandenen Ressourcen dauerhaft das Auslangen zu finden. Und ich geh jetzt hier einmal davon aus, dass sie das früher oder später schaffen.

Bevor wir uns das Technische genauer anschauen, müssen wir noch einige Überlegungen anstellen, welche Mobilitätsbedürfnisse die Menschen in 500 Jahren haben könnten. Auch hier gibt es wieder zwei Extremlagen: dass sie sich überhaupt nicht bewegen werden, können wir ausschließen – ebenso, dass sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse jeweils den längstmöglichen Weg wählen. Auch wenn sie es bis dorthin geschafft haben, zumindest die täglich notwendigen Wege auf ein Minimum zu reduzieren, werden sie auch dann noch mit einem sich immer wieder verändernden Beziehungsgeflecht zu tun haben – sei es familiär, in Bezug auf die Beschäftigung, die Ausbildung oder die Versorgung. Ein lebendiges System eben. Das Wegesystem wird sich nie auf einem Optimum stabilisieren lassen, da sich die Menschen auch dann noch im Laufe ihres Lebens verändern werden und  dementsprechend auch ihr Beziehungsgeflecht und die damit in Zusammenhang stehenden Wege. Man wird auch dann noch nicht alle Bedürfnisse an einem Ort befriedigen können, nämlich ein ganzes Leben lang. Das ist wohl auch nicht wünschenswert.

Es wird also immer ein Oszillieren geben rund um die Hauptorte, wo sich die Menschen eben aufhalten. Sie werden an einem Ort wohnen, sie werden sich an einem oder mehreren anderen Orten versorgen, sich beschäftigen, sich bilden und sich unterhalten. Die Tendenz wird ressourcenbedingt wohl in die Richtung gehen, dass bezogen auf ein Einzelindividuum diese Orte zusammenrücken und die Wege damit kurz werden. Aber mit einer Änderung der Lebensumstände kann sich das Wegenetz wieder aufblähen. Es ist also auch dann nicht damit zu rechnen, dass alle Wege fußläufig zurückgelegt werden können und es wird technische Hilfsmittel in welcher Form auch immer geben.

Wie könnten diese Hilfsmittel funktionieren? Wenn wir einmal die Möglichkeit des Beamens außer Acht lassen (das wird aus gewissen Überlegungen die Identität betreffend heraus wohl auch in 500 Jahren nicht möglich sein, ganz abgesehen vom Energieaufwand, der damit gewiss einhergeht), werden diese Hilfsmittel rollen. Fliegen eher weniger, weil das energieaufwändiger ist, so wie alle anderen Fortbewegungsarten, die das eigene Gewicht anheben müssen. Rollende Fortbewegungsmittel müssen ihr Eigengewicht nur gerade soviel anheben, wie zur Überwindung einer Steigung notwendig ist und diesen unschlagbaren energetischen Vorteil des Rades werden die Menschen wohl nutzen. Von den rollenden Fortbewegungsmitteln sind wiederum die schienengebundenen die mit dem geringsten Reibungswiderstand und somit energetisch am günstigsten.

Da der Reibungswiderstand zwischen Fahrzeug und Untergrund von der Auflagefläche und den Materialien abhängt, und wir heute schon bei schienengebundenen Fahrzeugen das Optimum (nämlich theoretisch nahe 0) erreicht haben was die Auflagefläche betrifft, wird sich bestenfalls noch in den Materialien etwas ändern. Vielleicht gibt es einmal Keramikschienen, wenn es deren Herstellung energetisch und ressourcenmäßig zulässt. An der Form wird das aber nicht viel ändern. Es klingt vielleicht seltsam, aber das Spurkranzrad wird wohl auch dann noch eine große Bedeutung haben und vermutlich endgültig das zentrale Element bei der Befriedigung der Mobilitätsbedürfnisse sein. Ohne Spurkranz müssten die Räder oder die Schienen breiter werden, es sei denn irgendjemand erfindet bis dorthin ein Steuerungssystem, das ein Fahrzeug auf einige Millimeter genau in der Spur hält, was es aber wiederum störungsanfällig und abhängig von einer Energiezufuhr macht. Der Spurkranz schafft das auch ohne Sensorik und elektronische Justierungselemente, er ist diesbezüglich energetisch unschlagbar. Man könnte ihn höchstens anstatt am Rad auf der Schiene anbringen, was aber sicher einen höheren Materialaufwand bedeutet und damit in einer ressourcenoptimierten Zukunft undenkbar ist.

Ich denke, aus diesen Überlegungen heraus können wir guten Grundes annehmen, dass die Mobilität der Zukunft eine überwiegend schienengebunden ist. Die nächste spannende Frage ist dann: wie groß werden die Fahrzeuge sein? Betrachten wir wiederum zunächst die Extremfälle. Das kleinste schienengebundene Fahrzeug würde dann genau eine Person transportieren können. Es wären wettergeschützte Kabinen mit einem Sitzplatz, vielleicht sogar Liegeplatz. Nur Stehendtransport würde es bestenfalls für kurze Strecken geben, obwohl das platzmäßig für Einpersonenfahrzeuge am günstigsten wäre. Und das Platzproblem wird uns nach der Befriedigung der Grundbedürfnisse sicher am meisten beschäftigt haben. Gegen Einzelfahrzeuge sprechen dann natürlich noch der Ressourcenaufwand und eben der Platzbedarf. Bis zu einer gewissen Grenze haben Mehrpersonenfahrzeuge einen in Korrelation zur Anzahl der zu transportieren Personen geringer werdenden Ressourcen-, Energie- und Platzbedarf. Natürlich liegt hier das Optimum dort, wo die Fahrzeuge immer voll ausgelastet sind und das wird es auch in 500 Jahren nicht spielen. Die Fahrzeuggrößen werden sich also an den tatsächlichen Mobilitätsbedarf angepasst haben. Dort wo immer nur einer fährt, wird auch genug Platz für Einpersonenfahrzeuge sein, dort wo in der Regel 10 Leute ungefähr zur gleichen Zeit fahren, werden auch Fahrzeuge eingesetzt werden, die etwa 10 Personen fassen und entsprechend bei größeren Menschenmengen. Bei 1000 Personen, vielleicht etwas mehr, wird aber auch hier aus logistischen und statischen Überlegungen heraus eine Grenze sein.

Welche Gefäßgröße auf welcher Strecke zum Einsatz kommt, wird auch von der Anzahl der notwendigen Umsteigeereignisse abhängen. D.h. man wird z.B. mit einem Fahrzeug, das 12 Personen fasst auch mal in Gegenden fahren, wo ein 8er oder ein 10er ausreichen würden oder umgekehrt auch Strecken befahren, wo schon größere Fahrzeuge angebracht wären. Eine – allerdings in der reinen Idealausformung kaum realisierbare – Technik wäre das Koppeln. Mehrere gekoppelte Fahrzeuge brauchen jedenfalls nur einen Antrieb und weniger Platz in der Fortbewegung. Dennoch wird es spätestens dann fraglich, wenn tagtäglich 100e Einpersonenkabinen zu einem 1000er-Block zusammengekoppelt werden würden. Der Materialaufwand und damit das Gewicht und die Energie die notwendig wird, um das Teil zu bewegen, wären um ein Vielfaches höher als eine einfache 1000-Personen-Kabine.

Dennoch kann das Koppeln unter bestimmten Umständen sehr sinnvoll sein. Wenn z.B. eine 12-Personenkabine die von Ort A wegfährt, ab einem bestimmten Punkt den selben Weg hat, wie eine 12-Personenkabine, die von Ort B wegfährt, macht es immerhin Sinn, den gemeinsamen Weg gekoppelt und damit energie- und platzsparender zurückzulegen. Oder wenn es auf einer bestimmten Strecke über den Tag verteilt verschieden großen Bedarf gibt. Morgens fahren z.B. 50 Personen eine bestimmte Strecke, tagsüber nur 10. Dann fahren einmal 4 gekoppelte 12-Personen-Kabinen, sonst wiederum nur eine.

Damit könnten alle Wegenetze abgedeckt werden, die von etwa maximal 120 Personen annähernd gleichzeitig genutzt werden. Da 12-Personen-Kabinen aufgrund der gegebenen Maximalbreite nur hintereinander gekoppelt werden können, ist hier die gekoppelte Länge der limitierende Faktor: bei einer angenommenen Länge der 12-Personen-Kabinen von 6 Meter hätte ein Zug, der 1000 Personen befördert einen halben Kilometer Länge und das wird dann ziemlich unpraktikabel. Zudem wird auch das Platzproblem mit zunehmender Bevölkerungsdichte immer durchschlagender.

Ich denke wir können nach diesen Überlegungen getrost davon ausgehen, dass es auch noch in 500 Jahren verschiedene Transportnetze gibt, wo verschieden große Fahrzeuge verkehren und wo die Menschen umso öfter umsteigen müssen, je weiter sie fahren und je weniger Ressourcen und Energie ihre Gesellschaft dem Mobilitätssystem zugesteht. Die Häufigkeit der Nutzung bestimmt dabei die Gefäßgröße und es wird sich eine bestimmte Stückelung als optimal herausstellen. Vielleicht kann das ja wer ausrechnen, aber wir werden uns vermutlich mit Versuch und Irrtum an dieses Optimum asymptotisch angenähert haben. Mag sein, dass das dann Kabinengrößen sind, die 4, 12, 100 und 1000 Personen fassen, weswegen ich oben öfters die 12-Personen-Kabine erwähnt habe (das wären kompakt 4 Reihen mit je drei Sitzplätzen). Es werden hier auch die Anforderungen an den jeweils gewünschten Komfort ins Spiel kommen.

Das Schienennetz wird sich ausgehend von Hauptachsen immer weiter in die Fläche verästelt haben und es wird 3 bis 4 verschiedene Netze geben, die sich hauptsächlich durch die Kabinengröße unterscheiden. Die Anfänge sehen wir heute schon: Züge und U-Bahnen für bis zu etwa 1000 Personen für weite Distanzen und wo auch die Geschwindigkeit eine Rolle spielt, Straßenbahnen mit 100 bis 300 Personen Fassungsvermögen für kürzere Distanzen in Gebieten mit dichterer Verbauung. Ob wir das dritte Netz noch schaffen, kann ich nicht sicher sagen. Aber es wird wohl immer dünner besiedelte Gegenden geben, wo herkömmliche Straßenbahnen einfach zu groß sind, sprich kleinere Fahrzeuge energetisch günstiger. Eigentlich kann mensch sich an den Fingern abzählen, dass es so ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Netz geben wird, spätestens dann, wenn sich das mit dem Erdöl erledigt hat: kein Treibstoff, kein Gummi, kein Plastik, kein Asphalt bzw. viel zu teuer. Nämlich wirklich horrend teuer, weil wir realistischerweise auch davon ausgehen müssen, dass wir bis 2500 sicherlich jeden greifbaren Tropfen Erdöl einer nicht nachhaltigen Bestimmung (z.B. Verbrennen) zugeführt haben werden, auch wenn wir nicht ganz so weiter tun wie bisher.

Übrigens: „Die U-Bahnen sind nach der S-Bahn der leistungsfähigste Verkehrsträger im städtischen Verkehrsnetz. Pro Stunde können je Richtung 35.000 bis 40.000 Fahrgäste befördert werden (S-Bahn: 40.000 bis 50.000; zum Vergleich Pkw bei einem angenommenen Besetzungsgrad von 1,3: 2500 Personen pro Stunde und Fahrstreifen).“ (Wikipedia) – Hier wäre zu ergänzen, dass auf dem gleichen Fahrstreifen in der gleichen Zeit 14.000 Fahrräder passieren können, wie nachfolgende Grafik zeigt (Studie Radverkehr in Zahlen, BMVIT, S. 48):

Leistungsfähigkeit Radstreifen

Gut vorstellbar, dass das Fahrrad bereits die optimierte Form der kleinsten Kabinengröße ist, was den Vorteil hätte, dass nicht bis in die hintersten Winkel Schienen verlegt und erhalten werden müssen. Mit welchem Material auch immer dann die Wege gepflastert sein werden, das Fahrrad wird das schaffen. Ob sich der bioenergetische Antrieb auch für größere Kabinen durchsetzen wird ist fraglich, weil die Kabinen dann erstens aufgrund des Eigengewichts immer gut besetzt sein müssten und zweitens auch die Geschwindigkeit mit der Entfernung immer interessanter wird. Es wird also auch motorisierte Kabinen geben, nach heutigen Wissensstand wohl elektrisch angetriebene. Jedenfalls aber lärmarm, minimal Schadstoffe emmiterend, mit optimiertem Wirkungsgrad und so ressourcenschonend wie möglich – und insgesamt, behaupte ich einmal, so menschenfreundlich wie möglich, also mit hohem Identifikationspotenzial. Was man nicht mag, nutzt man auch nicht bzw. nur unter Zwang.

Ja, diese Gedanken lassen sich gerne noch eine Weile weiterspinnen, die wichtigsten Aspekte eines zukunftstauglichen Mobilitätssystem wurden denke ich aber angesprochen. Natürlich gibt es noch etliche Aspekte, die die Entwicklung mehr oder weniger beeinflussen können und die in die Erwägungen miteinbezogen werden müssen, aber das Thema wird uns sicher noch länger beschäftigen 🙂

Heute kann es ohnehin nur mehr heißen: „Wir fangen schon mal an.“ (vgl. Harald Welzer)

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Offener Brief an Landeshauptmann Erwin Pröll

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Ich wende mich hiermit persönlich an Sie und ersuche vorab, meine Intentionen nicht als Schachzug, Spielzug, parteipolitischen Schlagabtausch oder was auch immer dieser Art zu interpretieren. Was ich Ihnen zu sagen habe, möchte ich Ihnen von Mensch zu Mensch mitteilen, ohnen Hintergedanken und gerade heraus.

Unser gemeinsames Heimatland hat ein Problem und ich möchte meinen Beitrag leisten, den zu einer für alle bekömmlichen Lösung nötigen Dialog zu führen. Von Mensch zu Mensch und auf gleicher Augenhöhe.

Auch wenn vieles von dem, was ich Ihnen nun zu sagen habe, freilich auch parteipolitisch interpretiert werden kann, hilft uns das in der Sache leider nicht weiter und ich ersuche davon Abstand zu nehmen. Wir müssen so viel Empathie aufbringen um die eigentlichen Anliegen des jeweiligen Gegenübers zu verstehen. Ich bemühe mich und Sie können das. Ich bin sehr geneigt anzunehmen, dass Ihre letzten Wahlerfolge zu einem Gutteil darauf zurück zu führen sind, dass Sie einer absoluten Mehrheit der wählenden Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern glaubhaft vermitteln konnten, dass Sie die Menschen wirklich ernst nehmen.

Aber dann kommen immer wieder Aussagen wie z.B. diese hier: „Wenn es nach den Niederösterreichinnen und Niederösterreichern geht, ist die Wahl klar: Erwin Pröll muss Landeshauptmann bleiben. Aber wenn es nach den anderen Parteien und Gruppierungen geht, ist es mit der Klarheit nach der Wahl vorbei…“ (Schaltung in den Bezirksblättern Mödling, 20./21. Februar 2013, S. 9). Nun – ich bin Teil dieser „anderen Parteien und Gruppierungen“ und ich bin auch Niederösterreicher. Ein Gutteil meiner Wurzeln reicht in alle vier Vierteln. Abgesehen davon bin ich österreichischer Staatsbürger, habe meinen ordentlichen Wohnsitz hier und bin entsprechenden auch berechtigt mich an Wahlen zum Niederösterreichischen Landtag aktiv und passiv zu beteiligen.

Das wird mir aber nach Ihrer oben zitierten Aussage einfach abgesprochen. Ich kann nur entweder das eine oder das andere sein. Mit dieser flapsigen Formulierung wurde mir ein Teil meiner Existenz einfach wegretuschiert, je nach dem für welchen ich mich entscheide. Darunter – wie mir scheint – für uns beide so wichtige Dinge wie „Familie“, „Heimat“, „Arbeit“, „Leben“ und „Freiheit“. Wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass wir diese Begriffe durchaus unterschiedlich interpretieren, weswegen ich sie hier auch als diskutabel markiere. Hier kommt vorerst aber wieder die Empathie ins Spiel und die vorläufige Annahme, dass wir beide im Grunde das Gleiche meinen.

Meine Reaktion jedenfalls auf diese Grenzüberschreitung tendiert in Richtung innere Emigration, wo Empörung und Wut immer stärker werden, je mehr man sich dieser Tendenz fügt. Bedeutet es doch letztlich sich selbst aus dem Spiel zu nehmen und – egal wie ich mich entscheide – mich fürderhin als willenlose, unfreie Spielfigur ohne eigene Geschichte und ohne eigenes Herzensanliegen – würdelos! – behandeln zu lassen. Und meine Eltern und Voreltern haben sich sicherlich nicht so angestrengt, Not und Leid durchgestanden, damit ich Dank solcher Konstatierungen mein Dasein als gefügiger, seelenloser Systeminsaße friste. Und meinen Kindern und Enkeln will ich das schon gar nicht antun.

Da hört sich das Spiel einfach auf. Vor allem wenn ich daran denke, wievielen Menschen es in diesem, unserem Heimatland, ganz ähnlich geht und wieviel menschliches und kreatives Potential damit abgehalten wird, sich für unser schönes Heimatland zu engagieren! Das lässt meine Empörung ins schier Unermessliche steigen. Wir brauchen hier einfach jeden guten Funken – es gibt doch noch so viel zu tun!

Unter anderem gilt es die demokratiepolitischen Defizite im Land aufzuarbeiten. Von den Minderheitenrechten im Landtag bis zu den Bürgerbeteiligungsprozessen in den Gemeinden. Es kann nicht „Wir gegen Euch“ gehen, bis einer von beiden zum Schweigen gebracht ist. Es ist eben kein Spiel, nein es geht darum, dass alle – der Vergleich sei mir gestattet – nach Ihrer Façon singen können und unser Job als Politiker ist es, daraus einen für alle erträglichen Chor zu formen, ein Zusammenwirken aller vorhandenen Kräfte prinzipiell guten Willens zu organisieren, eine lebendige Demokratie eben zu gestalten. Die Mehrheit „gewinnt“ nicht über die Minderheit und es ist auch kein Kartenspiel, wo „der Obere“ „den Unteren“ sticht. Nicht, wenn es um existenzielle Rechte geht. Entweder „gewinnen“ alle oder das Gemeinsame verliert. Wir sprechen von der sozialen Facette der nur ganzheitlich zu denkenden Nachhaltigkeit. Auch hier vernichtet der Raubbau an den Ressourcen Lebenschancen für Nachkommende. Und das kann nicht in Ihrem Interesse sein und sicher ist es auch nicht in meinem.

Ein weiterer dringend aufzuarbeitender Problembereich ist die niederösterreichische Medienlandschaft. Es muss einen unabhängigen und nicht erpressbaren Journalismus in diesem Land geben. Die mentalen Zensurscheren in viel zu vielen Köpfen müssen außer Funktion gesetzt bzw. überflüssig werden. Und ich bin überzeugt, dass wir viele Köpfe und Herzen im Land haben, die sich so einer Aufgabe liebend gerne annehmen würden, wenn die politischen Rahmenbedingungen gegeben sind.

Auf dieser Grundlage können dann die weiteren, anstehenden Problemfelder bearbeitet werden. Um hier allerdings umsetzbare Konzepte entwickeln zu können, muss zu allererst Klarheit über die Finanzlage des Landes hergestellt werden. Niemand setzt sich ernsthaft hin und arbeitet Pläne aus ohne über tragfähige Informationen über die zu erwartende budgetäre Entwicklung zu verfügen. Da gehört alles auf den Tisch und es muss allen zumindest im Groben klar sein, was wann und mit welcher Wahrscheinlichkeit tatsächlich vorhanden ist.

Diese Sicherheit ist zur Zeit überhaupt nicht gegeben. Mit dieser ungewissen Informationslage wäre es reine Lebenszeitverschwendung konkrete Konzepte zu entwickeln. Deswegen können hier nur Richtungen skizziert werden, wohin die Reise unter Berücksichtung möglichst aller verfügbaren Argumente gehen kann.

Unstrittig ist, denke ich, dass sich das Land aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bewegen muss. Wie schnell uns das gelingt hängt natürlich von den budgetären Gegebenheiten ab.

Schwieriger wird es vermutlich beim Thema Mobilität. Hier ist noch ein sehr breiter Diskurs zu führen, wozu aber wiederum ein unabhängiger Journalismus von Nöten ist.

Noch schwieriger wird der Bildungsbereich zu bearbeiten sein. Auch hier braucht es den breit organisierten, ergebnisoffenen Diskurs. Eine Voraussetzung: eine unabhängige, niederösterreichische Tageszeitung oder ein technisches Äquivalent mit entsprechendem Leistungsvermögen.

Um es kurz zu machen: das Prinzip der Inklusion aller Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher in die Entscheidungsprozesse, wo sie jeweils betroffen sind, muss in allen Politikfeldern konsequent angewandt werden. Von der Nahrungsmittelversorgung bis hin zum Gesundheitsbereich, von der wirtschaftlichen Organisation bis zur Kultur. Erst dann gewinnt ganz Niederösterreich dauerhaft an Substanz und bietet die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, die man sich von einem österreichischen Bundesland, einer mitteleuropäischen Region im 21. Jahrhundert erwartet.

Soweit meine Einstiegsstellungnahme. Ich ersuche um wohlwollende Erwägung und erwarte Ihre geschätzte Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Apl

Buckminster Fuller

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Ein Stück alt-niederösterreichische Interpretation und die Folgen

Unlängst flatterten mir die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage ins Haus, die die „NÖ Landesakademie“ unter dem Titel „Zukunft für alle. So denkt Niederösterreich über die Zukunft“ heuer durchgeführt hat. Immerhin haben sich von den 1.617.455 (1. Jänner 2012)[1] Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern ganze 60.161 Personen bei dieser Bürgerbeteiligungaktion eingebracht. Das sind wenn man genau hinschaut 37 Promille.

Man beachte nun aber, wie die Umfrageergebnisse aufbereitet werden:

Was fällt auf? Ja, schaut eh ok aus. Alles bleibt gleich und wird gleichzeitig besser… Ja, geht denn das überhaupt? Wir sprechen hier von dynamischen Systemen, da ist alles in Bewegung, da bleibt nicht lange was gleich. Entweder wird es besser oder es wird schlechter.

Richtig ungustiös ist aber die mit der Darstellung suggerierte Unterstellung, dass diejenige, die meinen, dass alles gleich bleibt, auch meinen, dass schon alles gut ist. Es bleibt alles gleich, kann auch heißen, es bleibt alles gleich schlecht! Und rein gefühlsmäßig würd ich meinen, dass das die in Niederösterreich häufiger benutzte Interpretation ist. „Is eh scho wurscht“ ist so originär niederösterreichisch, dass es kaum noch auffällt, wie man sieht.

Und dann fällt noch auf, dass die, die diese Frage nicht beantwortet hatten nur mit einem kleinen Hinweis ausgeblendet wurden. Dieser Hinweis ist aber rein layouttechnisch entscheidend plaziert. Dort ruht das ganze grafische Gebilde auf, das ist der Dreh- und Angelpunkt. Damit entsteht der Eindruck, dass sich die Grafik nach rechts neigt, hin zum Besseren. Gesamteindruck: ist eh alles in Ordnung, alles wird besser, ihr braucht gar nichts weiter zu tun, ihr braucht mich nur zu wählen, dirilull, dirilei etc.

Das schreit jetzt natürlich nach einer Darstellung, die zeigt „wie es wirklich ist“:

Natürlich ist diese Darstellung ebenso tendenziös wie das Original – und ist auch leicht überhöht, um die Kontraste zu schärfen. Entspricht aber der Lebenswirklichkeit Vieler wohl eher.

In der Originalgrafik ist das Verhältnis schlechter:besser flächenmäßig 218:436 und damit eindeutig positiv gewichtet. In der adaptierten Grafik ist dieses Verhältnis 541:159 und damit deutlich anders. Selbst wenn man unterstellt, dass je die Hälfte derjenigen, die keine Antwort abgaben und derjenigen, die gleichbleibend stimmten, aufgeteilt wird, kommt man auf ein Gewichtsverhältnis von 379,5:320,5 mit der dann naheliegenden Interpretation: es ist nicht alles in Ordnung, es wird nicht alles besser und eigentlich sollten wir ein bisschen was tun, damit es tatsächlich besser wird.

Ist ja nur eine Umfrage??

Was bedeutet es, wenn die Allmacht im Land lauter schlafende Leute plakatieren lässt? Genau, wir sind schon mitten im Wahlkampf. Nach dem Motto „Schlaf, Völkchen, schlaf“ läuft anscheinend gerade die ganz große, finale Einlullungswelle.

Um zu solchen Fotos zu kommen, muss mensch wirklich nicht lange gehen – ich hab sie praktisch vor der Haustüre gemacht. Es ist, als ob die niederösterreichische Volkspartei (NÖVP) und die ihr hörigen Organisationen das Land mit schwarzen Wattebällchen zubombardieren wollten, auf dass sich nur ja nichts mehr rühren kann. Die Absolute muss im März nämlich um buchstäblich jeden Preis gehalten werden, sonst droht auch Niederösterreich das Kärntner Schicksal, genauer gesagt, der NÖVP das Schicksal der FPK. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das einige Leute ganz schön antreibt.

In so einem Umfeld Politik zu machen, sprich etwas bewegen, etwas zum Lebendigeren hin verändern zu wollen, gestaltet sich zur Zeit ausgesprochen zäh. Um die Menschen zu erreichen, müssen wir anscheinend zuerst ganze Gebirge schwarzer Watte abtragen (wie entsorgt mensch so etwas eigentlich fachgerecht?) und laufen dabei ständig Gefahr, sie in ihrer von höchster Stelle angeordneten wohlverdienten Ruhe zu stören.

Mit Verlaub: das ist ein echter Scheißjob! Hat man endlich einmal einen derart Verschütteten sondiert und sich zu ihm vorgearbeitet, empfindet der diese Begegnung freilich zu aller erst einmal als Komfortverlust. Irgendwo muss man die Dämmung ja wegnehmen, um überhaupt kommunizieren zu können. Und natürlich ist der erste Eindruck der, dass es ungewohnt und unangenehm zugig und gleißend hell wird. Gefolgt möglicherweise von einer Panikattacke, wenn derjenige gewahr wird, dass ihn das anfangs wohlige Wattebettchen an Ort und Stelle festgeschnallt und bewegungsunfähig gemacht hat. Von da bis zum wirklich befreiten Durchatmen-Können ist es dann immer noch ein wahrlich weiter Weg.

Wen interessierts?

Der „Erfolg“ dieser Einlullungspolitik in Zahlen: noch 2004 gaben 19% von 2000 österreichweit Befragten an, sich nicht um Politik zu kümmern. 2012 sind es schon 33% (vgl. die Grafik oben, Quelle). Nicht nur der Anteil, auch die Geschwindigkeit mit der sich das ändert, ist höchst alarmierend. Der Anteil der politisch Interessierten ist im Gegenzug von 26 auf 19% zurückgegangen und man möchte erschrocken fragen: wer kümmert sich eigentlich noch um unsere Demokratie? Und werden es in ein paar Jahren überhaupt noch genug sein, um sie am Leben zu erhalten? Besonders bitter: politisch interessiert heißt noch lange nicht politisch engagiert. Da bewegen wir uns wahrscheinlich schon im Zehntelpromille-Bereich, Tendenz vermutlich ebenso stark fallend. Das will sich einfach niemand mehr antun.

Es ist ja wieder einmal so typisch. Die NÖVP hat ein Problem erkannt und wirft prompt und mit Eifer alles in die Schlacht um Abhilfe zu schaffen, schließlich muss man in erster Linie Handlungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen demonstrieren. Gefragt, welches Problem da eigentlich erkannt wurde, wird nicht. Die Menschen wollen zum Beispiel allem Anschein nach Auto fahren, also müssen wir Straßen bauen. Mir fällt heute noch das Blut aus dem Gesicht, wenn ich daran denke, dass seinerzeit in einer Analyse der niederöstereichischen Mobilitätsbeziehungen auf Wien einfach vergessen wurde. Jahrzehntelang wurden hierzulande Autobahnen gebaut und nebenbei die Nachbarschaft in völliger Gedankenlosigkeit mit Blech geflutet. Jetzt reagiert man ebenso überrascht wie empört, dass Wien gegensteuern muss, weil einfach kein Platz mehr ist. Tja, und jetzt hat man halt den Blechsalat. Vorausschauende Politik schaut anders aus oder die Ziele dieser Politik sind abgrundtief böse. Wobei zwischen Gedankenlosigkeit und Bösartigkeit im Effekt nur wenig Unterschied ist.

Wo man in Niederösterreich hinschaut, überall das selbe Muster. Die Menschen wollen Sicherheit, also plakatiert man schlafende Menschen in allen Varianten. Die Menschen wollen, dass alles so bleibt wie es ist, also betoniert man alles ein. Die Menschen wollen die volle Auswahl, also lässt man riesige Einkaufstempel bauen. Die Menschen wollen Autofahren, also baut man überall überbreite Autobahnen. Die Menschen wollen in ihrem Häuschen im Grünen wohnen, also fördert man Ein- und Zweifamilienhäuser, koste es was es wolle. Die Menschen wollen eine starke Führung, also markiert man den starken Mann. Die Menschen wollen stabile Verhältnisse, also nagelt man alles fest, was sich nur irgendwie rühren könnte. Die Menschen möchten von den Parteien in Ruhe gelassen werden, also hält man alles fern, was nach Politik ausschaut. Begleiterscheinungen? Wen interessiert das?

Jahrzehntelang hat die NÖVP das so erfolgreich betrieben, dass man jetzt gar nicht mehr sagen kann, ob das die Menschen wirklich so wollten oder ob nur mehr die übrig geblieben sind, die das wollen, und die, die sich nicht mehr wehren können und deshalb resigniert haben, sprich: sich mit ihrem nunmehr kleinen Leben fest gepackt in schwarzer Watte abgefunden haben, weil ihre Hilferufe einfach nicht mehr gehört werden können.

Das ist zum Schreien menschenunwürdig. Deswegen tun wir auch weiter.

Liebe Grüße und nicht verzweifeln – wir holen Euch da raus. Wer sich schon bewegen kann, möge bitte mithelfen. Dann geht es schneller. Wir brauchen gefühlte drei HelferInnen um je eine/n Verschütteten zu bergen. Danke für die viele Arbeit, liebe NÖVP, kann ich da nur sagen…

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Wider die Gedankenlosigkeit!

Vorige Woche strahlte der ORF in einem Eco-Spezial die Dokumentation „Goldman Sachs – die Bank, die die Welt dirigiert“ aus. Ein paar Tage später folgte ARTE mit einer längeren Version „Goldman Sachs – eine Bank lenkt die Welt“. Beide waren kurze Zeit später auch auf Youtube zu finden, wurden aber schnell wieder vom Netz genommen, mit folgendem Hinweis:

Glücklicherweise finden sich im Netz derzeit noch weitere Kopien. Hier sei nicht auf die Machenschaffen von Goldman Sachs im Detail eingegangen, aber eine Szene in diesem Video ist höchst erhellend (beginnend bei 36:50). Lloyd Blankfein, der Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs ist zum Interview geladen. Es ist die „Charlie Rose Show“ vom 30. April 2010. Schließlich stellt der Interviewer die entscheidende Frage: „Ist es vorgekommen, dass Ihre Investment-Berater einem Kunden Anlagen verkauft haben, gegen die Goldman Sachs selbst spekuliert hat?“ Blankfein bringt nur mehr ein „We sh…“ hervor, doch dann scheint ihm etwas einzuschießen. Gezählte sechs Sekunden ertarrt er, er verstummt. Man sieht richtig, wieviel tausend Gedanken ihm durch den Kopf schießen. Der Mann, der für seine Schlagfertigkeit berühmt ist, findet sechs Sekunden lang keine Worte. Es muss ihm etwas widerfahren sein, das ihm so noch nicht untergekommen ist. So hat er das offenbar noch nie in Zusammenhang gebracht. Ein Wissensvakuum unausdenklichen Ausmaßes wurde lokalisiert. Die völlige Gedankenlosigkeit gegenüber gewissen Zusammenhängen wurde offenbar. Er wusste zu lange nicht, was hier zu antworten war. Erschreckend mit anzusehen, dass offenbar einer der mächtigsten Männer der Welt keine Antwort auf eine so schlichte Frage wusste. Nicht einmal ein Abwiegelungsargument kam ihm schnell genug in den Sinn, zumindest keine die er dem Publikum zutraute. Er war auf diese Frage und auf diese Öffentlichkeit nicht vorbereitet. Das hatte ihn offenbar noch nie wirklich beschäftigt.

Gewiss Goldman Sachs ist rasend schnell gewachsen. Die Firma machte riesige Profite, vergrößerte damit ihre Macht, konnte damit noch größere Profite einfahren und damit noch mehr Macht ansammeln. Und das in einem fulminanten – und sich immer weiter beschleunigenden – Tempo. Klar, dass da „das Gewissen“ nicht so schnell mitwachsen konnte. Je mehr Macht angesammelt wird, umso wichtige wird es Gedankenlosigkeiten zu elimineren. Und Blankfein könnte in dem Moment klar geworden sein, dass in Relation zu der Macht, die er angehäuft hat, die Gedankenlosigkeit viel zu groß geworden war. Und dass das ein Problem werden könnte. Blankfein weiß, Wissen ist Macht bzw. wenn ich weiß, dass mit Krisen Geld gemacht werden kann, ist es schlau, wenn ich die Krisen voraussehen kann. Und noch schlauer ist, selbst die Krisen auslösen zu können, dann weiß ich mit noch größere Wahrscheinlichkeit, wann sie auftreten. Blankfein ist klar geworden, dass er in seinem Kalkül einen möglicherweise gravierende Aspekt übersehen oder falsch gewichtet hat.

„Machttechnisch“ gesprochen, hält sich Macht umso länger, je weniger Wissenslücken vorhanden sind und je weniger gedankenlos agiert wird. Oder in anderen Worten: Wo Macht ist, müssen Gedankenlosigkeiten aufgedeckt und überwunden werden. Das ist gleichzeitig auch im Interesse jener, die mit dieser Macht konfrontiert sind.

Soziologisch gesprochen, ist Macht eine Funktion der Möglichkeiten und damit eine Funktion der Beziehungen. Sie hängt vom Netzwerk ab, das gleichzeitig ein bestimmtes Soziotop bildet. Netzwerke haben die logischerweise organische Eigenschaft sich zu verändern. Sie wachsen und vergehen wieder. Motor für Wachstum ist die Zielgerichtetheit. Je schärfer ein Netzwerk ein Ziel, einen Auftrag für sich definiert hat, umso mehr Energie wird es bündeln. Abhängig von der Geschicklichkeit der Akteure wird ein Netzwerk so immer erfolgreicher. Macht korreliert also nicht nur mit der Größe des Netzwerkes, sondern auch mit der Bestimmtheit des eigenen Auftrags. Zehn Leute, die genau wissen, was sie wollen, bewirken mehr als tausende ziellos Umherirrende.

Netzwerke werden befeuert vom Erfolg. Erfolg ist wiederum nur eine Begleiterscheinung der Begeisterung. Und wenn ein Ziel erreicht wird, befeuert das die Begeisterung. Das Netzwerk wird schlagkräftiger. Es erreicht seine Ziele immer erfolgreicher. Bis die Begeisterung zum Rausch wird und immer mehr Aspkete ausgeblendet werden, weil sie im Vergleich zum eigenen Hochgefühl als irrelevant erscheinen.

Schon Hannah Arendt war der Gedankenlosigkeit auf der Spur. In der Berichterstattung über den Eichmann-Prozess in den frühen 1960ern, identifizierte sie die Gedankenlosigkeit als das eigentlich Böse. Egal wieviel Macht man hat, man sollte immer Wissen, dass man Leid zufügt, wenn eine falsche Entscheidung getroffen wird.

Dieses Beurteilungskriterium „verursachtes Leid“ wird individuell, je nach persönlicher Erfahrung und Neigung, gewichtet. Wem noch kein wirkliches Leid in seinem Leben begegnet ist, der wird diesem Kriterium nur wenig bis gar kein Gewicht und Bedeutung zuordnen und in seinem weiteren Agieren entsprechend wenig bis gar nicht berücksichtigen. Wer schon einmal wirkliches Leid „hautnah“ erlebt hat, sei es empathisch aus Erzählungen anderer, sei es am eigenen Leib, der wird dieses Moment in seiner Beurteilung und Bewertung wesentlich dominanter gewichten. Er wird andere Entscheidungen treffen, um möglichst kein weiteres Leid zu verursachen oder womöglich um Leid zu reduzieren. Er weiß, was er tut. Im Idealfall. Weiß er nicht, was er anderen antut, spricht Hannah Arendt eben von Gedankenlosigkeit. Eichmann „sah“ das Leid nicht, das er anrichtete. In seiner Welt konnte es nicht vorkommen, weil er bestimmte Menschen einfach nicht als Menschen, als Wesen mit angeborener und unveräußerlicher Würde definierte. Er hatte seinen Opfern das Menschsein abgesprochen, er hat damit auch ihr Leid ausgeblendet.

Und es macht im Ergebnis keinen Unterschied, ob man Menschen ihre Existenz abspricht oder ob man von ihrer Existenz nichts weiß, obwohl sie einem mittlerweile in den eigenen Einflussbereich geraten sind. Goldman Sachs ist so rasch gewachsen, das sie gar nicht wahrhaben konnten, wie mächtig sie schon waren und wieviele Menschen schon in ihren Einflussbereich gekommen waren, wieviele Schicksale sie bestimmten und welches Leid und Schmerz sie erzeugten.

Wenn man nicht unabsichtlich böse sein will, muss man seine Gedankenlosigkeiten auf ein Minimun reduzieren. Und je mehr Macht, also Möglichkeiten man hat, umso mehr.

Klar, im Rausch der Begeisterung schiebt man abturnende Dinge gerne von sich, man wird immer arroganter, will die Begeisterung immer vehementer weiter schüren, denn mit ihr wächst scheinbar der Erfolg, im Fall von Goldman Sachs der Profit. Mehr Macht – mehr Profit. Mehr Profit – noch mehr Macht. Noch mehr Macht – noch mehr Profit. Immer mehr Profit – immer mehr Macht. Profit und Macht haben sich in einem derartigen Ausmaß zusammengeballt, dass immer mehr Menschen immer weniger Luft zum Atmen bleibt. Wo soll das enden? Wer gebietet dem Einhalt? Wie kann es auf ein für alle verträgliches Maß einjustiert werden?

Der österreichische Nationalrat richtete im Jänner 2012 einen Untersuchungsausschuss ein, um etliche Korruptionsaffären aufzuklären. In unserem Zusammenhang geht es dabei im Grunde und im Kern darum, etwaige Gedankenlosigkeiten zu lokaliseren und Ansätze zu ihrer Überwindung zu liefern, sprich Wissen zu generieren. Das müsste im Prinzip schon in einem idealen Parlament so sein. Dieses wäre imstande, bei einer anstehenden Entscheidung alle relevanten Informationen gebührend zu berücksichtigen. Je mehr Wissen in den Entscheidungsprozess einfließt, umso nachhaltiger, haltbarer werden die Entscheidungen. So einfach wäre es. Ein Problem ergibt sich, wenn das Parlament mit Leuten beschickt wird, die sich ihren Interessen verpflichtet fühlen, dabei aber keine ganzheitliche Perspektive anstreben wollen, weil sie es entweder nicht für nötig erachten oder weil sie meinen, dass die sich daraus ergebenden Entscheidungen ihren eigenen Interessen zuwider laufen.

Die Grünen streben diese ganzheitliche Perpektive an und sind von daher schon keine klassische Interessensvertretungspartei. Sie sind überzeugt davon, dass echte Nachhaltigkeit die gebührende Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte erfordert. Insbesondere die soziale Nachhaltigkeit lässt sich problemlos über die Gedankenlosigkeit bestimmen. Je mehr ich mir gewahr bin, dass meine Aktivitäten Leid erzeugen können, umso sozial nachhaltiger werde ich agieren.

Unrecht ist der größte Schmerz, es muss lokalisiert und überwunden werden. Stéphane Hessel meint, das jetzt am allernötigsten Gewissensbildung sei, wobei Gewissen die Fähigkeit ist zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden und entsprechend gerecht zu handeln. Wer diese Fähigkeit nicht bildet, wird unrecht handeln, er wird Ungerechtigkeiten begehen und das lassen sich die Menschen nicht lange gefallen. Irgendwann muss der eitrige Zahn einfach raus. Weil es einfach nicht mehr auszuhalten ist!

Deswegen muss der Untersuchungsausschuss weiter geführt werde. Es wäre unerträglich, wenn der schon eingeleitete Heilungsprozess schnödem wahltaktischen Kalkül zum Opfer fallen würde.

Wenn Sie auch dieser Ansicht sind, dann helfen Sie bitte, sowie Ihnen das möglich ist, mit. Mächtige Netze können nur mit tatsächlich gerechten Netzen im Zaum gehalten werden. Zur Koordination diesbezüglicher weiterer Aktivitäten wurde diese Facebook-Seite eingerichtet: Gabi Moser soll den Untersuchungssausschuss weiter leiten

Zum Abschluss noch ein Satz von Stéphane Hessel: „Das Wesentliche, so scheint mir, ereignet sich immer zwischen zwei Menschen, die einander begegnen und etwas auszutauschen, gemeinsam etwas zu erschaffen haben.“ (Empörung – meine Bilanz, 2012, S. 71)

Nirgendwo anders entsteht übrigens auch Gerechtigkeit – wenn die Beteiligten wissen, wie es geht. Aber wissen das nicht schon die Kinder?

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Europa is a Wauhnsinn! Sadness is over!

London eröffnete eben die Olympischen Spiele 2012. Was für eine geniale Idee Paul McCartney mit „Hey Jude“ schließen zu lassen. Es war, als würden die Beatles unvermutet wieder auferstehen. Kaum ein besserer Zeitpunkt ist denkbar. 1980 wurde John Lennon ermordet, fast zur gleichen Zeit übernahmen Thatcher und Reagan die Ruder, ein finsteres Zeitalter war eingeläutet. 1986 Tschernobyl, 1989 flutet der freie Markt wütend das Gebiet der ehemaligen Sovietunion, ungeachtet etwaiger gesellschaftlicher Verwerfungen. 2001 New York usw.

Ich kann mich noch sehr genauer erinnern. Es war ein trostloser Tag in einem trostlosen Herbst, als mir die Nachricht von Lennons Tod einschoss. Es war das erste Mal in meinem Leben, wo ich eine abgrundtiefe Trauer empfand. Eine, die einen grauen Schleier über mein ohnehin schon trostloses (ich war da gerade hochpupertierend) Dasein warf. Bis zu dem Augenblick jetzt eben, wo McCartney „Hey Jude“ ins Londoner Olympiastadion singt, als wären die Beatles nie weg gewesen. Ich verfolg den McCartney ja nicht so sehr, aber irgendwie kam mir vor, als ob ihm das selbst in dem Moment klar geworden wäre: Die Beatles waren nie tot! McCartney hat den Spirit gerettet.

In dem Zusammenhang – die Briten richten die Olympischen Spiele aus und fahren so naturgetreu bzw. so authentisch wie möglich alles auf, was ihr Land an Einzigartigkeiten hervorgebracht hat – dürfen die Beatles natürlich nicht fehlen! Oja, darauf kann man stolz sein. Es ist ein famoses Identitätsangebot. Darüber kann man echt lange meditieren.

Und dann denke ich mir, pfau, eigentlich ist das ja mittlerweile schon ein europäisches Identitätsangebot. Und dann kam der Gedanke, der mich umwarf und immer noch staunen lässt: Wenn ich mich als Europäer mit den Beatles, Voltaire, Servantes, Shakespeares genauso identifizieren „darf“ wie mit Mozart, Beethoven oder Schubert, überhaupt mit allen, was der Kontinent so hervorgebracht hat in seiner mehrtausendjährigen überaus lebendigen Geschichte, dann hab ich jetzt erstmal eine ganze Menge zu verarbeiten. Europa bekommt damit ja eine völlig neue Perpektive! Es ist eine Gemengelage an unterschiedlichen Gesellschaften, die dabei sind das Gemeinsame zu identifizieren. London war da jetzt ein sehr schönes Angebot, und auch das deutsche Sommermärchen war schon so ein Angebot. Wir müssen uns besser kennenlernen, wir müssen von unseren Stärken und Schwächen wissen, damit wir empathisch und sozial nachhaltig kooperieren können.

Das einzig dem Profit unterworfende Konkurrenzdenken muss endlich ein Ende finden. Stéphane Hessel! Was für ein leuchtender Europäer! Ich bin wirklich stolz auf uns (EuropäerInnen) und dankbar, dass wir in einem Soziotop leben „dürfen“, dass solche Menschen hervorbringt! Einer der großen europäischen Lehrenden! Ethische Authentizitäten bester Güte! Ja, ich bin stolz, Europäer zu sein. Ich will mich bemühen und mich diesem Kontinent würdig erweisen. Das macht Sinn. Es stiftet Bedeutung. Und was Bedeutung für einen hat, dass verletzt mensch nicht.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ – Da steht das schon drinnen. 1948 verabschiedet, da wo alle noch den Krieg in den Knochen hatten und ihnen völlig klar war, dass so etwas nie wieder passieren dürfe und was nun zu tun ist. Unrecht muss eliminiert und durch Recht ersetzt werden. Immer und bei jeder Gelegenheit. Wo Unrecht herrscht, muss Recht geschaffen werden.

Europa! Was für eine Chance! Die Zeit der Betäubung und Duldungsstarre ist vorbei! Dein Gewissen ist geschärft! Du weißt genau, was Unrecht ist! Setzt Euch zusammen und schafft Recht und Gerechtigkeit! Auf welchen Beweis wollen wir noch warten, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann?

Alsdern jetzt ist ein globales Identity-sharing angesagt. Weil Europa ist super, aber wir sind schließlich eine ganze Menschheit aus 7 Milliarden ganzen Menschen. Was für eine geniale Idee, dieses Olympia! Danke, liebe GriechInnen! ευχαριστώ!

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