Es ist nicht zum Aushalten!

Die sollen ihre und unsere Zeit nicht mit dämlichen Koalitionsspielchen verplempern. Es gehört auf der Stelle einiges in Angriff genommen. Angefangen bei Fukushima, wo sofort alles daran gesetzt muss, dass das so schnell als möglich entschärft wird – und da müssen wirklich alle mitanpacken! Bis zu den Menschen, die im Mittelmeer ersaufen, weil sie aus ihrer Heimat flüchten müssen, weil wir (der „Westen“) ihnen ihre Lebensgrundlagen zerstört oder entzogen haben.

Ich versteh gar nicht, wieso die noch nicht im Parlament sitzen und einen „Fukushima-Minister“ wählen, der sich um nichts anderes kümmert, als Fukushima in Ordnung zu bringen. Da kann man ein Budget dafür zur Verfügung stellen, der Minister hätte einen glasklaren Auftrag und get scho!

Dann sollen sie einen Minister wählen, der sich nur um die Flüchtlinge nach Europa kümmert: ein glasklarer Auftrag, ein Budget – und get scho! Das muss doch jetzt und noch dazu nach dieser Wahl völlig wurscht sein, von welcher Partei die Leute sind! Hauptsache das Werkel kommt endlich in die Gänge! An wieviel Not und Leid wollen wir uns denn noch mitschuldig machen???

Der nächste Minister beschäftigt sich mit dem Gift in unseren Lebensmitteln! Es ist doch ein erstklassige Sauerei, was da mit uns gemacht wird. Der profitwütigen Agrarindustrie gehört Einhalt geboten. Die Energie, die da hineingebuttert wird, gehört umgelenkt in Lebensenergie für alle. Ein glasklarer Auftrag, ein Budget und get scho!

So, und dann ist doch bitte völlig klar, dass wir einen Minister brauchen, der sich um die Medien kümmert. Die sollen endlich wieder nahrhafte, also wirklich brauchbare Informationen liefern! Diese Giftbrühe, die uns da täglich serviert wird, ist doch nur noch zum Abdrehen. Auftrag klar, Budget wird reserviert und get schon!

Die nächste Wahl ist ein Minister für Mobilität. Wieviel Lebenszeit und Energie wollen wir noch in und mit irgendwelchen Blechkisteln vergeuden? Wir wissen doch alle schon, dass das gegenwärtige Mobilitätssystem das ineffizienteste ist, dass man sich vorstellen mag. Und wir wissen auch schon, wie es geht. Es gehört nur mehr endlich, endlich gemacht: Klarer Auftrag, Budget und get schon!

Generell gehört für alle Bereiche, wo Menschen Not und Elend leiden und ihnen Lebensmöglichkeiten genommen werden, Spezialminister beauftragt, die den jeweiligen Misstand beheben. Und wenn unsere Realverfassung das alles nicht hergibt, dann baut sie gefälligst um, ihr seit die Gesetzgebung, ihr dürft das. Das ist euer Job und euer Auftrag. Ihr alle wurdet gewählt, damit die Geschichte wieder in die Gänge kommt. 40 Jahre mentale Stagnantion sind definitiv genug!!!

So, und wenn einmal das Wichtigste erledigt ist, könnt ihr euch immer noch überlegen, in welchen Farben ihr eure Regierung tapezieren wollt.

Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | 6 Kommentare

Grünes Selbstverständnis

Die Grünen sind keine herkömmliche Partei. Dennoch werden sie von den meisten durch die Brille betrachtet, die sich für herkömmliche Parteien herausgebildet hat. Für viele ist es einfach nicht vorstellbar, dass eine Partei auch anders funktionieren könnte. Dabei ist das für viele unerträgliche parteipolitische Gehabe ein wichtiger Grund, warum es überhaupt eine Grüne Partei gibt.

Parteibuchwirtschaft, parteipolitisch motivierte Postenbesetzungen und Klubzwang werden schon länger als der Demokratie abträglich betrachtet und die tatsächliche Demokratisierung war ein wesentliches Gründungsmotiv für die Grünen – neben dem Eintreten für den Umweltschutz selbstverständlich.

Das Dilemma war aber auch von Anfang an klar. Ohne Partei kann man bei der in Österreich geltenden Gesetzeslage keinen direkten Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess nehmen. Gesetze werden im Parlament gemacht, und um dort hinzukommen, muss man sich dem Listenwahlrecht mit allen zugehörigen Formalitäten fügen – nicht aber den damit oft einhergehenden Auswüchsen.

Dementsprechend ist die Skepsis gerade bei den Grünen gegenüber allem, was nach Partei riecht, auch nach 20 Jahren noch extrem ausgeprägt. Man könnte deswegen auch sagen, die Grünen sind nur so viel Partei, wie es eben notwendig ist, um Gesetze mitgestalten zu können, haben sich bisher aber recht erfolgreich gegenüber allem erwehrt, was darüber hinausgeht.

Die Grünen sind auch keine eingeschworene Gesinnungsgemeinschaft, sie sind vielmehr ein offenes Netzwerk in einer offenen Gesellschaft. Es gibt auch keine Chefs oder Chefinnen, obwohl das in fast jedem Medienbericht erzählt wird. Es gibt Sprecherinnen und Sprecher, die versuchen, den  Konsens des Gremiums, von dem sie gewählt wurden, wieder zu geben.

Man muss nicht Parteimitglied sein, um sich im Grünen Projekt zu engagieren. Die Grüne Partei ist auch nicht die Spitze einer wie immer gearteten Grünen Bewegung. Unter dem Generalziel „Etablierung einer ganzheitliche Nachhaltigkeit“ lassen sich eine Reihe von Initiativen und Organisationen einordnen, die alle in ihrem Bereich notwendig sind, weil es nicht nur um legistische Veränderungen geht, sondern um einen gesellschaftsweiten Mentalitäts- und Kulturwandel.

Die Menschen, die diesbezüglich aktiv werden, machen das aus eigener Einsicht, die sich meist auch aus eigenen Erfahrungen speist. Sie müssen nicht indoktriniert oder auf Linie gebracht werden. Sie haben schon verstanden, dass es so nicht weitergehen kann, und wollen sich von ihren Kindern und Kindeskindern nicht eines Tages vorwerfen lassen, nichts dagegen unternommen zu haben. Sie beschäftigen sich im Grunde alle mit der Frage: wie müssen wir uns und unser Leben organisieren, damit das Leben inklusive Menschheit auf diesem Planeten gut gedeihen kann? In 100 Jahren, in 1.000 Jahren, in 10.000 Jahren, so weit unser Denken mit den bisher verfügbaren Erfahrungen halt reicht.

Die Grünen betreiben deswegen auch keine Klientelpolitik im herkömmlichen Sinn, sie sind aber im Sinne der Sozialen Nachhaltigkeit ständig bemüht, die Stimmen derjenigen zu verstärken, die sonst nicht gehört werden würden, inklusive Vertretung der existentiellen Interessen der uns Nachfolgenden.

Verstehbar machen, gestaltbar machen, sinnhaft machen.

Das ist das, was Grüne im Wesentlichen so die ganze Zeit tun. Und um das geht es auch. Die Menschheit hat ein gehöriges Wissen angehäuft, man weiß heute im Großen und Ganzen wie die Welt funktioniert und hat auch eine erkleckliche Anzahl von Erfahrungen aus der Geschichte zur Hand. Bei manchen Fehlern reicht es völlig, wenn sie einmal gemacht werden und die dadurch gemachten Erfahrungen dürfen einfach nicht verloren gehen.

Natürlich ist es nicht in jedermanns Interesse, wenn alle die Welt verstehen würden. Wie hat schon Henry Ford gemeint? Wenn die Leute verstünden, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir schon vor morgen Früh eine Revolution. Die Vernebler sind auch tatsächlich in bezahlten Heerscharen unterwegs und die Grünen könnten sich rund um die Uhr damit beschäftigen, die Nebel wegzublasen. Andererseits kostet die Aufrechterhaltung einer Lüge Geld, wohingegen sich die Wahrheit spätestens dann durchsetzt, wenn der Lüge das Geld ausgeht.

Basisdemokratie ist ein Grüner Grundwert.

Das heißt, jede und jeder soll bei Entscheidungen, die sie oder ihn betreffen, mitgestalten können. Jede Stimme hat gleiches Gewicht, jedes Anliegen ist wichtig. Und die Mündigkeit eines Menschen verleiht ihm eine Souveränität, aber auch eine Verantwortlichkeit, die zudem nicht delegierbar ist. Befehlszwang geht nicht mehr. Ausreden gelten nicht. Deswegen müssen Strukturen geschaffen werden, wo tatsächlich jede und jeder niederschwellig mitgestalten kann.

Sinnhaft machen: es fühlt sich auf Dauer einfach besser an, die Welt (vor Ort!) zu retten als sie kaputt zu machen. Etwas, was man verstanden und wo man mitgestaltet hat, hat einfach eine andere Bedeutung für einen selbst. Es macht Sinn. All das hebt die Grünen von den herkömmlichen Parteien sehr deutlich ab.

Die anderen Parteien aus grüner Perspektive

Eine konservative Partei beispielsweise, wie in Österreich die Volkspartei, ist um die Bewahrung der errungenen Besitzstände bemüht. Das ist auch durchaus nachvollziehbar, wer etwas hat, will das auch gerne erhalten, insbesondere, wenn sie oder er es sich selbst im Schweiße des Angesichts hart erarbeitet hat. Oder weil man sich ein Leben ohne all die Besitztümer gar nicht mehr vorstellen kann und dementsprechend eine riesige Angst vor Verlust derselben hat. Die Fokussierung auf Erhaltung der Besitzstände hat aber auch ihre Tücken, die nicht nachhaltige Vorgangsweisen produzieren können. Die Volkspartei muss beispielsweise alles, was sie nicht kontrollieren kann, von vorne herein als Bedrohung wahrnehmen und womöglich kontrollierbar machen. Sie muss, wo es nur geht, abwehren, absichern und kontrollieren und sie wurde dadurch zu einem Staat im Staat mit einer entsprechend starken ausschließenden Komponente. Wer nicht dazu gehört, ist automatisch Feind. Wer die Parteilinie verlässt, wird ruhig gestellt. Man darf sich keine Blöße geben, keine Schwäche zeigen.

Wer am lautesten gegen vermeintliche Feinde poltert, vertritt die Interessen der Partei am Besten. Das ist durchaus menschlich – diese Verhaltensmuster haben sich über Jahrzehntausende, als die Menschen noch in Stammesgesellschaften lebten und mit Fremden nicht allzu oft in Berührung kamen, herausgebildet. In modernen Zivilisationen, wo mehrere 100 Millionen Menschen beteiligt sind und einem das Fremde jedem Augenblick begegnet, ist das natürlich stark hinterfragenswürdig, aber es wird wohl noch ein paar Generationen dauern, bis sich hier praxistaugliche Sozialtechniken herausgebildet haben. Das Phänomen der Massengesellschaften ist ja entwicklungsgeschichtlich noch ein sehr junges, in Europa gerade einmal ein paar hundert Jahre altes, also praktisch nichts im Vergleich zu den paar Millionen Jahre, seitdem Hominiden in Rudeln leben.

Die Sozialdemokratie war sich dessen vermutlich einmal bewusst, wollte das Menschenbild revolutionieren, hat sich aber im parteipolitischen Hickhack und jahrzehntenlangen Lagerkämpfen zum perfekten Spiegelbild der konservativen Parteien entwickelt, die die feindlichen Fremdzuschreibungen schließlich selbst geglaubt hat. Man wollte dann schließlich nichts mehr, außer den Wohlstand gerecht zu verteilen. Das war das einzige, was man gegenüber den anderen und vielen eigenen Leuten verstehbar kommunizieren konnte. Die, die bisher leer ausgegangen waren und einst ihr Leben in Not, Elend und Ausbeutung erlitten, sollten auch etwas vom Kuchen abbekommen. Wenn es allen gut ginge, hätte sich die Partei erledigt, hieß es noch in den 1980ern. Nun scheint es so weit zu sein. Das Klientel ist weitgehend bedient.

ÖVP gegen SPÖ, das war lange Zeit ein Match von Kapitalisten mit zu viel Geld gegen Kapitalisten mit zu wenig Geld. Nachhaltigkeit mit allem was dazu gehört war im Eifer des Gefechts nur ein lästiger Nebengedanke. Umweltschutz? Ja, eh wichtig, aber wir müssen aufpassen, dass uns die anderen im ständigen Gerangel nichts abzwacken. Das Ganze war schon lange aus dem Blick geraten.

Und die FPÖ? Naja, ein Sammelsurium an Romantikern, Politkarrieristen und Mitläufern, die sich immer wieder quasi als ÖVP-Vorfeldorganisation fürs ganz Grobe einspannen lässt und sich nicht zu schade ist, niedrigste Instinkte zu bedienen.

Weiter in die Zukunft schauen als die anderen

Wenn man sich so anschaut, wie unsere Gesellschaften zurzeit funktionieren und welche Ansprüche von einer überwiegenden Mehrheit an ein gutes Zusammenleben gestellt werden, dann ist völlig klar, was getan werden muss. Nicht ganz zufällig steht das alles auch im Grünen Programm (gruene.at).

Es geht darum, uns so zu organisieren, dass auch noch die uns Nachfolgenden ihre Lebensbedürfnisse befriedigen können – und zwar gewaltfrei. Wir wären schlechte Eltern, wenn wir unseren Kindern eine ausgeplünderte Welt hinterlassen und sie von einen Krieg in den nächsten ziehen müssen, weil sich die Menschheit nicht mehr anders zu helfen weiß. Seit 1987 verbrauchen wir mehr Ressourcen als auf unserer Erde in einem Jahr nachwachsen. Damals fiel der sogenannte World Overshoot Day, der Tag ab dem die Menschheit von der Substanz lebt, auf den 19. Dezember. Seitdem wandert er immer weiter ins Jahr hinein. Heuer war es der 20. August.

Nein, es geht nicht darum, dass wir uns alle kasteien und so weiter tun wie bisher nur halt auf Sparflamme. Es geht vielmehr darum, dass wir unsere Hirne einschalten und die von uns geschaffenen Systeme so umbauen, dass sie auch noch in 100, 1.000, 10.000 Jahren gut – sprich friedlich und somit gewaltfrei – funktionieren. Das geht. Davon sind wir Grüne überzeugt.

Es ist ja nicht so, dass unsere Gesellschaft an allen Ressourcen Raubbau betreiben würde. Sie tut das eh nur dort, wo irgendwer viel Geld damit verdienen kann. Die Sonne hingegen schickt uns täglich so viel Energie, wie wir momentan in 8 Jahren verbrauchen. Ja täglich! Und das ohne Rechnung. Und wie lange wir Menschen von unseren mentalen Ressourcen in vollem Wohlstand leben könnten, wenn wir sie denn wenigstens zum Teil konstruktiv nutzen würden, darüber gibt es nicht einmal noch Schätzungen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Die Bahn hat eine Zukunft

Bahn hat Zukunft-CoverDie Kaltenleutgebner Bahn – was für eine Chance!

Okay. Es gibt nun also eine Studie, die im Auftrag des VOR die verschiedenen Möglichkeiten für den Öffentlichen Verkehr im Kaltenleutgebner Tal untersucht hat. Sie kommt zum Ergebnis, dass „die Wiederaufnahme eines Bahnbetriebes in unterschiedlichen Varianten auf Grund der hohen Investitionskosten bei vergleichsweise niedrigem Fahrgastpotenzial nicht vertretbar ist.“ Einig sind sich aber alle, dass die Trasse erhalten bleiben soll, falls es einmal eine neue technologische Lösung geben sollte. Damit hakt man das Thema ab und will sich auf die „Beschleunigung der bestehenden Busverbindungen“ konzentrieren. Da die Busse aber ebenso wie die Privat-Pkw im Stau stehen werden, wird das mit der Beschleunigung wohl nicht ganz so aufgehen. Wer wirklich eine Lösung will, muss das ganz anders denken …

Die Kaltenleutgebner Bahn – einmal ganz anders gedacht

In jedes Gebäude mit mehr als drei Etagen wird heutzutage ein Lift eingebaut. Wenn es barrierefrei sein soll sogar schon, wenn es nur einen Höhenunterschied zu überwinden gilt. Niemand fragt sich dabei, ob so eine Investition vertretbar ist. Im Gegenteil: eine Wohnung oder gar ein Büro im fünften oder sechsten Stock ohne Lift ist praktisch unverkäuflich. Dementsprechend viel Aufwand wird auch getrieben, um Gebäude auch nachträglich mit einem Lift auszustatten.

Was wäre nun, wenn die Trasse der Kaltenleutgebnerbahn nicht als Bahn sondern als Lift  genutzt wird? Bei den Stationen gäbe es beispielsweise einen Rufknopf und in der Kabine gäbe es ein Tablett, wo man einen Knopf drücken kann, um dem Lift mitzuteilen, wo man aussteigen will. Moderne Lifte lernen und wissen mit der Zeit, wo die Kabinen über den Tag verteilt jeweils benötigt werden. Ihr „Fahrplan“ ergibt sich aus dem tatsächlichen Bedarf. Und im Gegensatz zu herkömmlichen Liften können auf Geleisen auch mehrere Kabinen gekoppelt werden, falls zu Spitzenzeiten ein größeres Fassungsvermögen benötigt wird. Das hätte den Vorteil, dass die Kabinen eher klein gehalten werden können (10 bis 12 Personen Fassungsvermögen müssten reichen) und sich z.B. der Energieaufwand an den tatsächlichen Bedarf anpasst. In einem Lift gibt es auch keinen Chauffeur, was sich entscheidend auf die Betriebskosten auswirkt. Rein technisch wäre das bei allen nötigen Sicherheitsvorgaben auch schon realisierbar.

Die Kabinen wären natürlich elektrisch angetrieben und mit Akkus ausgestattet. Diese könnten in der betriebsarmen Zeit aufgeladen oder einfach gegen voll geladene ausgetauscht werden, falls es schneller gehen muss. Und auch die Bremsenergie kann auf der abschüssigen Strecke genutzt werden, um die Akkus zu laden. Damit könnte die Trasse im Prinzip, so wie sie jetzt schon ist, befahren werden. Natürlich müssten sich die Kabinen superleise bewegen, mit erneuerbarer Energie versorgt werden und auch das Design muss was hermachen. Hier wäre aber durchaus großes Potenzial für ein weiteres Wahrzeichen.

GUT, ABER WER SOLL DAS BEZAHLEN?

Bei einem herkömmlichen Lift werden die Errichtungs- und Betriebskosten in die Kosten des damit versorgten Gebäudes inkludiert bzw. wird eine Lifteigentümergemeinschaft errichtet, über die die Kostenverteilung und die Betreuung organisiert wird. Dieses Modell könnte durchaus auch für unser Projekt als Vorlage dienen, wenngleich es wohl etwas komplexer, aber damit nicht unbewältigbar wird. Die „Lifteigentümergemeinschaft“ könnte aber so offen konzipiert sein, dass alle an der Strecke Wohnenden bzw. jene, die den Lift regelmäßig nutzen wollen, partizipieren können. Darüber hinaus ist auch die Öffentliche Hand gefragt, da bei der Verkehrsproblematik in unserer Region sicher ein öffentliches Interesse gegeben ist. Und sie wird sich auch nicht nobel heraushalten können, wenn schon von privater Seite ein entsprechendes Investitionsangebot vorliegt.

Sinnvollerweise wird man die Einrichtungsphase auch als Forschungsprojekt anlegen, was es ja tatsächlich auch ist, womit zahlreiche Fördertöpfe angezapft werden können. Und wenn man es einigermaßen geschickt aufsetzt, werden sich auch die laufenden Betriebskosten in vergleichsweise sehr überschaubaren Dimensionen bewegen.

Also – mit ein bisschen Phantasie und dem nötigen politischen Willen ließe sich auf der Trasse der Kaltenleutgebnerbahn ein echtes Vorzeigeprojekt mit wahrem Leuchtturmcharakter verwirklichen, das die Problematik der suburbanen Mobilität vorbildhaft angeht.

DER NÄCHSTE SCHRITT

Der nächste Schritt ist eindeutig die Bildung einer Projektgruppe, die aus dieser Konzeptskizze ein konkretes, durchgängig umsetzbares Projekt macht, die dazugehörigen Verhandlungen führt und die Partizipationswilligen koordiniert respektive animiert. Nicht nur als Mobilitätsgemeinderat sondern auch als unmittelbar betroffener und partizipationswilliger Anrainer – wir leben hier quasi auf Augenhöhe mit der Bahn – bin ich gerne bereit mindestens den Geburtshelfer für diese Projektgruppe zu machen. Wer sich also inspiriert fühlt und von Anfang an bei einem genauso phantastischen wie herausfordernden Projekt dabei sein will, möge sich bitte bei mir melden.

Kabinen

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Zwischen Privat und Öffentlich

IMG_2989Auf dieses Meditationsdiagramm sind wir heute bei der Sommerklausur der Perchtoldsdorfer Grünen gestoßen. Es ging um Mobilität und Bildung, Öffentlicher Raum und auf einmal war auch die Privatsphäre da. Die heilige Privatsphäre, die heutzutage das einzig wirklich anstrebenswerte Ziel zu sein scheint, die Ungestörtheit, die Kontrolle, die Sicherheit.

Klar ist, dass die Privatsphäre auf Kosten des Öffentlichen Raumes ausgeweitet wurde. Weniger Staat, mehr Privat war die durchschlagende Maxime der letzten Jahrzehnte. So erfolgreich, dass das Private heute aufgebläht scheint und eine Blase nach der anderen erzeugt und alles Staatliche, das gemeinsam Organisierte, ausgezehrt und kraftlos darnieder liegt.

Aber wann beginnt Öffentlichkeit? Bzw. wo endet Privatheit? Für viele scheint Öffentlichkeit dort zu beginnen, wo mehr als ein Mensch dem Gesprochenen zuhört. Wenn zwei oder mehr Menschen zuhören, ist man schließlich schon in der Unterzahl und es gibt Zeugen. Das Gesprochene kann gegen einem selbst verwendet werden. Das was man spricht, bekommt dadurch ein anderes Gewicht. Und es ist quasi irreversibel in die Welt gesetzt.

Man verpflichtet sich, übernimmt Verantwortung für das, was man spricht, belastet sich. Und das ist gar nicht sexy in einer Welt, wo einem jede Last abgenommen wird, soferne man dafür zahlen kann bzw. gewillt ist, das zu tun. Je bequemer es sich in der eigenen Privatheit einrichten lässt, umso weniger hat man den Drang nach „draußen“ zu gehen, in eine unkontrollierbare und unberechenbare Öffentlichkeit, wo einem Ungemach dräuen könnte.

Was bedeutet es aber, wenn alle die reine Privatheit pflegen und die Öffentlichkeit denen überlassen, die ihnen bezahlterweise diese Last abgenommen haben? Eines ist völlig klar: die Menschen werden der Öffentlichkeit entwöhnt und damit jenen Dingen, die nur im Öffentlichen Raum entstehen können, als da sind: Demokratie, Bildung, Mobilität mitsamt ihren Folgeerscheinungen und allem, das geschickterweise kollektiv organisiert wird.

Im Öffentlichen Raum entsteht Verbindlichkeit. Und zwar umso mehr Verbindlichkeit, je mehr ZeugInnen es gibt. Es wird eine Wahrheit erzeugt und bezeugt. Eine Wirklichkeit geschaffen, in der die Beteiligten hinkünftig ihr Leben verbringen. Öffentlichkeit entsteht dort, wo auf kommunikativem Weg Wirklichkeit gestaltet wird, wo Wirklichkeit, wo Zukunft verhandelt wird.

Wenn die Öffentlichen Räume ausdünnen, stagniert eine Gesellschaft demnach mehr und mehr. Und wer hätte heute nicht das Gefühl, das wir eigentlich schon vor 40 Jahren so weit gewesen wären, die nächsten weiterführenden Schritte zu setzen? Der gesellschaftliche Fortschritt ist nur mehr ein schleichender, weil wir die Öffentlichen Räume dem Verkehr in privaten Isolationstanks überlassen haben. Für Demokratie, Bildung und Mobilität, hier durchaus auch als geistige Mobilität zu verstehen, ist tendenziell oder schon real kein Platz mehr.

IMG_2994Es muss daher in erster Linie darum gehen, dem Öffentlichen mehr Raum einzuräumen. Aber schauen wir uns zunächst an, wie Öffentlichkeit und Bildung zusammenwirken.

Zunächst gibt es da den afrikanischen Sinnspruch: „Um ein Kind großzuziehen braucht es ein ganzes Dorf.“ Dorf kann hier unschwer als Metapher für Öffentlichkeit erkannt werden. Das ist auch leicht nachvollziehbar, wenn man sich vorstellt, welche mentale Gestalt ein Mensch annimmt, der ausschließlich in seiner eigenen Privatheit, ohne jeden Kontakt zu einem anderen Menschen, aufwächst. Er müsste ohne dem über Generationen generierten Wissen auskommen.

Klar, die Anhänger der Privatheit werden nun sagen: Freilich muss man von anderen lernen, aber ich will die Kontrolle darüber haben, von wem meine Kinder lernen sollen. In Sorge um das Wohl der Kinder ist es ja auch durchaus legitim zu prüfen, welchen Einflüssen das Kind ausgesetzt ist. Aber wenn man sich einmal in seiner Privatheit wohlig und sicher eingerichtet hat, ist man natürlich bestrebt, sie in diesem Zustand zu konservieren. Es passt eh alles, wieso sollte etwas verändert werden? Veränderung bedeutet schließlich immer auch, die Wände der Schutzhülle einzureißen und frische Luft hereinzulassen. Dabei schwingt immer auch die Gefahr mit, dass plötzlich die Legitimität der ethischen Fundamentierung in Frage steht, was zu schweren Irritationen und Ungemach führen kann.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Mobilität 2500

Wie werden wir uns in 500 Jahren bewegen? Eine Skizze.

Ich weiß, heutzutage gilt der Versuch, eine Art Zukunftsprognose über ein paar Jahre hinaus zu erstellen, als ziemlich verrückt. Dennoch kann er unternommen werden. Es hängt alles nur von den Annahmen ab, die zu treffen sind. Was kann mensch über die Welt in 500 Jahren sagen? Unvorhergesehene Ereignisse wird es sicher geben, aber die erste Annahme, die ich treffe, ist die, dass sich alles einigermaßen „normal“ weiterentwickelt und Unvorhergesehenes die Entwicklung höchstens verzögert – oder beschleunigt.

Die zweite Annahme, die ich treffe, und die ich doch für einigermaßen plausibel halte, ist die, dass die Menschheit bis dorthin nicht aussterben wird, jedenfalls nicht zur Gänze. Wie jede andere Population auch wird sie trotz mitunter katastrophalen Rückschlägen immer so lange wachsen, so lange kein limitierendes Moment wirksam wird. Diese limitierenden Momente sind bei Populationen jeder Art die Wasserversorgung und das Nahrungsangebot, sowie Sonne, Luft und Platz, alle überlebenswichtigen Bedürfnisse eben. Sonne und Luft dürften noch lange reichen, schwieriger schon wird Wasser und Nahrung, dicht gefolgt von Platz. Jean Ziegler meint z.B., dass die Erde gut 12 Milliarden Menschen ernähren könnte. Der Weltbevölkerungszähler zeigt momentan 7.125.113.900 Menschen an, bei einem Netto-Zuwachs von etwa 36.000.000 allein dieses Jahr. Wir dürften noch im eher linearen Abschnitt einer logistischen Populationswachstumskurve sein, was bedeutet, dass die 12 Milliarden in allerspätestens 100 Jahren erreicht wären.

Im Jahr 2500 sollten wir also alle Krisen, die mit dem aktuell enormen Wachstum der Weltbevölkerung zu tun haben, bereits in irgendeiner Form bewältigt und relativ weit hinter uns haben. Wie wird es dann auf der Welt aussehen? Wie und wo werden die Menschen leben? Wie werden sie sich über die Erde verteilt haben? Zur Verteilung gibt es nur zwei Extremwerte: entweder sind alle 12 Milliarden Menschen gleichmäßig über die Erde verteilt, oder – die andere Extremlage – sie leben alle miteinander in einer globalen Megamegacity auf engsten Raum. Tatsächlich wird es wohl irgendetwas dazwischen sein bzw. eine Mischform, wie jetzt auch schon. Sowohl Agglomerationen als auch dünner besiedelte Gebiete.

Hier wird wohl der Energieaufwand, also die Energie, die notwendig ist, ein System aufrecht zu halten, die letztlich bestimmende Größe werden. Die Strukturen, in denen die Menschen leben, werden sich bis dorthin energetisch optimiert haben. Sie werden so sparsam und effektiv wie möglich z.B. den Mobilitätsbedarf abdecken, vor allem angesichts knapper Ressourcen. Auch diverse Peaks werden dann ja schon lange Geschichte sein und die Menschen werden gelernt haben müssen, mit den vorhandenen Ressourcen dauerhaft das Auslangen zu finden. Und ich geh jetzt hier einmal davon aus, dass sie das früher oder später schaffen.

Bevor wir uns das Technische genauer anschauen, müssen wir noch einige Überlegungen anstellen, welche Mobilitätsbedürfnisse die Menschen in 500 Jahren haben könnten. Auch hier gibt es wieder zwei Extremlagen: dass sie sich überhaupt nicht bewegen werden, können wir ausschließen – ebenso, dass sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse jeweils den längstmöglichen Weg wählen. Auch wenn sie es bis dorthin geschafft haben, zumindest die täglich notwendigen Wege auf ein Minimum zu reduzieren, werden sie auch dann noch mit einem sich immer wieder verändernden Beziehungsgeflecht zu tun haben – sei es familiär, in Bezug auf die Beschäftigung, die Ausbildung oder die Versorgung. Ein lebendiges System eben. Das Wegesystem wird sich nie auf einem Optimum stabilisieren lassen, da sich die Menschen auch dann noch im Laufe ihres Lebens verändern werden und  dementsprechend auch ihr Beziehungsgeflecht und die damit in Zusammenhang stehenden Wege. Man wird auch dann noch nicht alle Bedürfnisse an einem Ort befriedigen können, nämlich ein ganzes Leben lang. Das ist wohl auch nicht wünschenswert.

Es wird also immer ein Oszillieren geben rund um die Hauptorte, wo sich die Menschen eben aufhalten. Sie werden an einem Ort wohnen, sie werden sich an einem oder mehreren anderen Orten versorgen, sich beschäftigen, sich bilden und sich unterhalten. Die Tendenz wird ressourcenbedingt wohl in die Richtung gehen, dass bezogen auf ein Einzelindividuum diese Orte zusammenrücken und die Wege damit kurz werden. Aber mit einer Änderung der Lebensumstände kann sich das Wegenetz wieder aufblähen. Es ist also auch dann nicht damit zu rechnen, dass alle Wege fußläufig zurückgelegt werden können und es wird technische Hilfsmittel in welcher Form auch immer geben.

Wie könnten diese Hilfsmittel funktionieren? Wenn wir einmal die Möglichkeit des Beamens außer Acht lassen (das wird aus gewissen Überlegungen die Identität betreffend heraus wohl auch in 500 Jahren nicht möglich sein, ganz abgesehen vom Energieaufwand, der damit gewiss einhergeht), werden diese Hilfsmittel rollen. Fliegen eher weniger, weil das energieaufwändiger ist, so wie alle anderen Fortbewegungsarten, die das eigene Gewicht anheben müssen. Rollende Fortbewegungsmittel müssen ihr Eigengewicht nur gerade soviel anheben, wie zur Überwindung einer Steigung notwendig ist und diesen unschlagbaren energetischen Vorteil des Rades werden die Menschen wohl nutzen. Von den rollenden Fortbewegungsmitteln sind wiederum die schienengebundenen die mit dem geringsten Reibungswiderstand und somit energetisch am günstigsten.

Da der Reibungswiderstand zwischen Fahrzeug und Untergrund von der Auflagefläche und den Materialien abhängt, und wir heute schon bei schienengebundenen Fahrzeugen das Optimum (nämlich theoretisch nahe 0) erreicht haben was die Auflagefläche betrifft, wird sich bestenfalls noch in den Materialien etwas ändern. Vielleicht gibt es einmal Keramikschienen, wenn es deren Herstellung energetisch und ressourcenmäßig zulässt. An der Form wird das aber nicht viel ändern. Es klingt vielleicht seltsam, aber das Spurkranzrad wird wohl auch dann noch eine große Bedeutung haben und vermutlich endgültig das zentrale Element bei der Befriedigung der Mobilitätsbedürfnisse sein. Ohne Spurkranz müssten die Räder oder die Schienen breiter werden, es sei denn irgendjemand erfindet bis dorthin ein Steuerungssystem, das ein Fahrzeug auf einige Millimeter genau in der Spur hält, was es aber wiederum störungsanfällig und abhängig von einer Energiezufuhr macht. Der Spurkranz schafft das auch ohne Sensorik und elektronische Justierungselemente, er ist diesbezüglich energetisch unschlagbar. Man könnte ihn höchstens anstatt am Rad auf der Schiene anbringen, was aber sicher einen höheren Materialaufwand bedeutet und damit in einer ressourcenoptimierten Zukunft undenkbar ist.

Ich denke, aus diesen Überlegungen heraus können wir guten Grundes annehmen, dass die Mobilität der Zukunft eine überwiegend schienengebunden ist. Die nächste spannende Frage ist dann: wie groß werden die Fahrzeuge sein? Betrachten wir wiederum zunächst die Extremfälle. Das kleinste schienengebundene Fahrzeug würde dann genau eine Person transportieren können. Es wären wettergeschützte Kabinen mit einem Sitzplatz, vielleicht sogar Liegeplatz. Nur Stehendtransport würde es bestenfalls für kurze Strecken geben, obwohl das platzmäßig für Einpersonenfahrzeuge am günstigsten wäre. Und das Platzproblem wird uns nach der Befriedigung der Grundbedürfnisse sicher am meisten beschäftigt haben. Gegen Einzelfahrzeuge sprechen dann natürlich noch der Ressourcenaufwand und eben der Platzbedarf. Bis zu einer gewissen Grenze haben Mehrpersonenfahrzeuge einen in Korrelation zur Anzahl der zu transportieren Personen geringer werdenden Ressourcen-, Energie- und Platzbedarf. Natürlich liegt hier das Optimum dort, wo die Fahrzeuge immer voll ausgelastet sind und das wird es auch in 500 Jahren nicht spielen. Die Fahrzeuggrößen werden sich also an den tatsächlichen Mobilitätsbedarf angepasst haben. Dort wo immer nur einer fährt, wird auch genug Platz für Einpersonenfahrzeuge sein, dort wo in der Regel 10 Leute ungefähr zur gleichen Zeit fahren, werden auch Fahrzeuge eingesetzt werden, die etwa 10 Personen fassen und entsprechend bei größeren Menschenmengen. Bei 1000 Personen, vielleicht etwas mehr, wird aber auch hier aus logistischen und statischen Überlegungen heraus eine Grenze sein.

Welche Gefäßgröße auf welcher Strecke zum Einsatz kommt, wird auch von der Anzahl der notwendigen Umsteigeereignisse abhängen. D.h. man wird z.B. mit einem Fahrzeug, das 12 Personen fasst auch mal in Gegenden fahren, wo ein 8er oder ein 10er ausreichen würden oder umgekehrt auch Strecken befahren, wo schon größere Fahrzeuge angebracht wären. Eine – allerdings in der reinen Idealausformung kaum realisierbare – Technik wäre das Koppeln. Mehrere gekoppelte Fahrzeuge brauchen jedenfalls nur einen Antrieb und weniger Platz in der Fortbewegung. Dennoch wird es spätestens dann fraglich, wenn tagtäglich 100e Einpersonenkabinen zu einem 1000er-Block zusammengekoppelt werden würden. Der Materialaufwand und damit das Gewicht und die Energie die notwendig wird, um das Teil zu bewegen, wären um ein Vielfaches höher als eine einfache 1000-Personen-Kabine.

Dennoch kann das Koppeln unter bestimmten Umständen sehr sinnvoll sein. Wenn z.B. eine 12-Personenkabine die von Ort A wegfährt, ab einem bestimmten Punkt den selben Weg hat, wie eine 12-Personenkabine, die von Ort B wegfährt, macht es immerhin Sinn, den gemeinsamen Weg gekoppelt und damit energie- und platzsparender zurückzulegen. Oder wenn es auf einer bestimmten Strecke über den Tag verteilt verschieden großen Bedarf gibt. Morgens fahren z.B. 50 Personen eine bestimmte Strecke, tagsüber nur 10. Dann fahren einmal 4 gekoppelte 12-Personen-Kabinen, sonst wiederum nur eine.

Damit könnten alle Wegenetze abgedeckt werden, die von etwa maximal 120 Personen annähernd gleichzeitig genutzt werden. Da 12-Personen-Kabinen aufgrund der gegebenen Maximalbreite nur hintereinander gekoppelt werden können, ist hier die gekoppelte Länge der limitierende Faktor: bei einer angenommenen Länge der 12-Personen-Kabinen von 6 Meter hätte ein Zug, der 1000 Personen befördert einen halben Kilometer Länge und das wird dann ziemlich unpraktikabel. Zudem wird auch das Platzproblem mit zunehmender Bevölkerungsdichte immer durchschlagender.

Ich denke wir können nach diesen Überlegungen getrost davon ausgehen, dass es auch noch in 500 Jahren verschiedene Transportnetze gibt, wo verschieden große Fahrzeuge verkehren und wo die Menschen umso öfter umsteigen müssen, je weiter sie fahren und je weniger Ressourcen und Energie ihre Gesellschaft dem Mobilitätssystem zugesteht. Die Häufigkeit der Nutzung bestimmt dabei die Gefäßgröße und es wird sich eine bestimmte Stückelung als optimal herausstellen. Vielleicht kann das ja wer ausrechnen, aber wir werden uns vermutlich mit Versuch und Irrtum an dieses Optimum asymptotisch angenähert haben. Mag sein, dass das dann Kabinengrößen sind, die 4, 12, 100 und 1000 Personen fassen, weswegen ich oben öfters die 12-Personen-Kabine erwähnt habe (das wären kompakt 4 Reihen mit je drei Sitzplätzen). Es werden hier auch die Anforderungen an den jeweils gewünschten Komfort ins Spiel kommen.

Das Schienennetz wird sich ausgehend von Hauptachsen immer weiter in die Fläche verästelt haben und es wird 3 bis 4 verschiedene Netze geben, die sich hauptsächlich durch die Kabinengröße unterscheiden. Die Anfänge sehen wir heute schon: Züge und U-Bahnen für bis zu etwa 1000 Personen für weite Distanzen und wo auch die Geschwindigkeit eine Rolle spielt, Straßenbahnen mit 100 bis 300 Personen Fassungsvermögen für kürzere Distanzen in Gebieten mit dichterer Verbauung. Ob wir das dritte Netz noch schaffen, kann ich nicht sicher sagen. Aber es wird wohl immer dünner besiedelte Gegenden geben, wo herkömmliche Straßenbahnen einfach zu groß sind, sprich kleinere Fahrzeuge energetisch günstiger. Eigentlich kann mensch sich an den Fingern abzählen, dass es so ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Netz geben wird, spätestens dann, wenn sich das mit dem Erdöl erledigt hat: kein Treibstoff, kein Gummi, kein Plastik, kein Asphalt bzw. viel zu teuer. Nämlich wirklich horrend teuer, weil wir realistischerweise auch davon ausgehen müssen, dass wir bis 2500 sicherlich jeden greifbaren Tropfen Erdöl einer nicht nachhaltigen Bestimmung (z.B. Verbrennen) zugeführt haben werden, auch wenn wir nicht ganz so weiter tun wie bisher.

Übrigens: „Die U-Bahnen sind nach der S-Bahn der leistungsfähigste Verkehrsträger im städtischen Verkehrsnetz. Pro Stunde können je Richtung 35.000 bis 40.000 Fahrgäste befördert werden (S-Bahn: 40.000 bis 50.000; zum Vergleich Pkw bei einem angenommenen Besetzungsgrad von 1,3: 2500 Personen pro Stunde und Fahrstreifen).“ (Wikipedia) – Hier wäre zu ergänzen, dass auf dem gleichen Fahrstreifen in der gleichen Zeit 14.000 Fahrräder passieren können, wie nachfolgende Grafik zeigt (Studie Radverkehr in Zahlen, BMVIT, S. 48):

Leistungsfähigkeit Radstreifen

Gut vorstellbar, dass das Fahrrad bereits die optimierte Form der kleinsten Kabinengröße ist, was den Vorteil hätte, dass nicht bis in die hintersten Winkel Schienen verlegt und erhalten werden müssen. Mit welchem Material auch immer dann die Wege gepflastert sein werden, das Fahrrad wird das schaffen. Ob sich der bioenergetische Antrieb auch für größere Kabinen durchsetzen wird ist fraglich, weil die Kabinen dann erstens aufgrund des Eigengewichts immer gut besetzt sein müssten und zweitens auch die Geschwindigkeit mit der Entfernung immer interessanter wird. Es wird also auch motorisierte Kabinen geben, nach heutigen Wissensstand wohl elektrisch angetriebene. Jedenfalls aber lärmarm, minimal Schadstoffe emmiterend, mit optimiertem Wirkungsgrad und so ressourcenschonend wie möglich – und insgesamt, behaupte ich einmal, so menschenfreundlich wie möglich, also mit hohem Identifikationspotenzial. Was man nicht mag, nutzt man auch nicht bzw. nur unter Zwang.

Ja, diese Gedanken lassen sich gerne noch eine Weile weiterspinnen, die wichtigsten Aspekte eines zukunftstauglichen Mobilitätssystem wurden denke ich aber angesprochen. Natürlich gibt es noch etliche Aspekte, die die Entwicklung mehr oder weniger beeinflussen können und die in die Erwägungen miteinbezogen werden müssen, aber das Thema wird uns sicher noch länger beschäftigen 🙂

Heute kann es ohnehin nur mehr heißen: „Wir fangen schon mal an.“ (vgl. Harald Welzer)

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Offener Brief an Landeshauptmann Erwin Pröll

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Ich wende mich hiermit persönlich an Sie und ersuche vorab, meine Intentionen nicht als Schachzug, Spielzug, parteipolitischen Schlagabtausch oder was auch immer dieser Art zu interpretieren. Was ich Ihnen zu sagen habe, möchte ich Ihnen von Mensch zu Mensch mitteilen, ohnen Hintergedanken und gerade heraus.

Unser gemeinsames Heimatland hat ein Problem und ich möchte meinen Beitrag leisten, den zu einer für alle bekömmlichen Lösung nötigen Dialog zu führen. Von Mensch zu Mensch und auf gleicher Augenhöhe.

Auch wenn vieles von dem, was ich Ihnen nun zu sagen habe, freilich auch parteipolitisch interpretiert werden kann, hilft uns das in der Sache leider nicht weiter und ich ersuche davon Abstand zu nehmen. Wir müssen so viel Empathie aufbringen um die eigentlichen Anliegen des jeweiligen Gegenübers zu verstehen. Ich bemühe mich und Sie können das. Ich bin sehr geneigt anzunehmen, dass Ihre letzten Wahlerfolge zu einem Gutteil darauf zurück zu führen sind, dass Sie einer absoluten Mehrheit der wählenden Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern glaubhaft vermitteln konnten, dass Sie die Menschen wirklich ernst nehmen.

Aber dann kommen immer wieder Aussagen wie z.B. diese hier: „Wenn es nach den Niederösterreichinnen und Niederösterreichern geht, ist die Wahl klar: Erwin Pröll muss Landeshauptmann bleiben. Aber wenn es nach den anderen Parteien und Gruppierungen geht, ist es mit der Klarheit nach der Wahl vorbei…“ (Schaltung in den Bezirksblättern Mödling, 20./21. Februar 2013, S. 9). Nun – ich bin Teil dieser „anderen Parteien und Gruppierungen“ und ich bin auch Niederösterreicher. Ein Gutteil meiner Wurzeln reicht in alle vier Vierteln. Abgesehen davon bin ich österreichischer Staatsbürger, habe meinen ordentlichen Wohnsitz hier und bin entsprechenden auch berechtigt mich an Wahlen zum Niederösterreichischen Landtag aktiv und passiv zu beteiligen.

Das wird mir aber nach Ihrer oben zitierten Aussage einfach abgesprochen. Ich kann nur entweder das eine oder das andere sein. Mit dieser flapsigen Formulierung wurde mir ein Teil meiner Existenz einfach wegretuschiert, je nach dem für welchen ich mich entscheide. Darunter – wie mir scheint – für uns beide so wichtige Dinge wie „Familie“, „Heimat“, „Arbeit“, „Leben“ und „Freiheit“. Wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass wir diese Begriffe durchaus unterschiedlich interpretieren, weswegen ich sie hier auch als diskutabel markiere. Hier kommt vorerst aber wieder die Empathie ins Spiel und die vorläufige Annahme, dass wir beide im Grunde das Gleiche meinen.

Meine Reaktion jedenfalls auf diese Grenzüberschreitung tendiert in Richtung innere Emigration, wo Empörung und Wut immer stärker werden, je mehr man sich dieser Tendenz fügt. Bedeutet es doch letztlich sich selbst aus dem Spiel zu nehmen und – egal wie ich mich entscheide – mich fürderhin als willenlose, unfreie Spielfigur ohne eigene Geschichte und ohne eigenes Herzensanliegen – würdelos! – behandeln zu lassen. Und meine Eltern und Voreltern haben sich sicherlich nicht so angestrengt, Not und Leid durchgestanden, damit ich Dank solcher Konstatierungen mein Dasein als gefügiger, seelenloser Systeminsaße friste. Und meinen Kindern und Enkeln will ich das schon gar nicht antun.

Da hört sich das Spiel einfach auf. Vor allem wenn ich daran denke, wievielen Menschen es in diesem, unserem Heimatland, ganz ähnlich geht und wieviel menschliches und kreatives Potential damit abgehalten wird, sich für unser schönes Heimatland zu engagieren! Das lässt meine Empörung ins schier Unermessliche steigen. Wir brauchen hier einfach jeden guten Funken – es gibt doch noch so viel zu tun!

Unter anderem gilt es die demokratiepolitischen Defizite im Land aufzuarbeiten. Von den Minderheitenrechten im Landtag bis zu den Bürgerbeteiligungsprozessen in den Gemeinden. Es kann nicht „Wir gegen Euch“ gehen, bis einer von beiden zum Schweigen gebracht ist. Es ist eben kein Spiel, nein es geht darum, dass alle – der Vergleich sei mir gestattet – nach Ihrer Façon singen können und unser Job als Politiker ist es, daraus einen für alle erträglichen Chor zu formen, ein Zusammenwirken aller vorhandenen Kräfte prinzipiell guten Willens zu organisieren, eine lebendige Demokratie eben zu gestalten. Die Mehrheit „gewinnt“ nicht über die Minderheit und es ist auch kein Kartenspiel, wo „der Obere“ „den Unteren“ sticht. Nicht, wenn es um existenzielle Rechte geht. Entweder „gewinnen“ alle oder das Gemeinsame verliert. Wir sprechen von der sozialen Facette der nur ganzheitlich zu denkenden Nachhaltigkeit. Auch hier vernichtet der Raubbau an den Ressourcen Lebenschancen für Nachkommende. Und das kann nicht in Ihrem Interesse sein und sicher ist es auch nicht in meinem.

Ein weiterer dringend aufzuarbeitender Problembereich ist die niederösterreichische Medienlandschaft. Es muss einen unabhängigen und nicht erpressbaren Journalismus in diesem Land geben. Die mentalen Zensurscheren in viel zu vielen Köpfen müssen außer Funktion gesetzt bzw. überflüssig werden. Und ich bin überzeugt, dass wir viele Köpfe und Herzen im Land haben, die sich so einer Aufgabe liebend gerne annehmen würden, wenn die politischen Rahmenbedingungen gegeben sind.

Auf dieser Grundlage können dann die weiteren, anstehenden Problemfelder bearbeitet werden. Um hier allerdings umsetzbare Konzepte entwickeln zu können, muss zu allererst Klarheit über die Finanzlage des Landes hergestellt werden. Niemand setzt sich ernsthaft hin und arbeitet Pläne aus ohne über tragfähige Informationen über die zu erwartende budgetäre Entwicklung zu verfügen. Da gehört alles auf den Tisch und es muss allen zumindest im Groben klar sein, was wann und mit welcher Wahrscheinlichkeit tatsächlich vorhanden ist.

Diese Sicherheit ist zur Zeit überhaupt nicht gegeben. Mit dieser ungewissen Informationslage wäre es reine Lebenszeitverschwendung konkrete Konzepte zu entwickeln. Deswegen können hier nur Richtungen skizziert werden, wohin die Reise unter Berücksichtung möglichst aller verfügbaren Argumente gehen kann.

Unstrittig ist, denke ich, dass sich das Land aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bewegen muss. Wie schnell uns das gelingt hängt natürlich von den budgetären Gegebenheiten ab.

Schwieriger wird es vermutlich beim Thema Mobilität. Hier ist noch ein sehr breiter Diskurs zu führen, wozu aber wiederum ein unabhängiger Journalismus von Nöten ist.

Noch schwieriger wird der Bildungsbereich zu bearbeiten sein. Auch hier braucht es den breit organisierten, ergebnisoffenen Diskurs. Eine Voraussetzung: eine unabhängige, niederösterreichische Tageszeitung oder ein technisches Äquivalent mit entsprechendem Leistungsvermögen.

Um es kurz zu machen: das Prinzip der Inklusion aller Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher in die Entscheidungsprozesse, wo sie jeweils betroffen sind, muss in allen Politikfeldern konsequent angewandt werden. Von der Nahrungsmittelversorgung bis hin zum Gesundheitsbereich, von der wirtschaftlichen Organisation bis zur Kultur. Erst dann gewinnt ganz Niederösterreich dauerhaft an Substanz und bietet die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, die man sich von einem österreichischen Bundesland, einer mitteleuropäischen Region im 21. Jahrhundert erwartet.

Soweit meine Einstiegsstellungnahme. Ich ersuche um wohlwollende Erwägung und erwarte Ihre geschätzte Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Apl

Buckminster Fuller

Veröffentlicht unter Allgemein | 12 Kommentare

Ein Stück alt-niederösterreichische Interpretation und die Folgen

Unlängst flatterten mir die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage ins Haus, die die „NÖ Landesakademie“ unter dem Titel „Zukunft für alle. So denkt Niederösterreich über die Zukunft“ heuer durchgeführt hat. Immerhin haben sich von den 1.617.455 (1. Jänner 2012)[1] Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern ganze 60.161 Personen bei dieser Bürgerbeteiligungaktion eingebracht. Das sind wenn man genau hinschaut 37 Promille.

Man beachte nun aber, wie die Umfrageergebnisse aufbereitet werden:

Was fällt auf? Ja, schaut eh ok aus. Alles bleibt gleich und wird gleichzeitig besser… Ja, geht denn das überhaupt? Wir sprechen hier von dynamischen Systemen, da ist alles in Bewegung, da bleibt nicht lange was gleich. Entweder wird es besser oder es wird schlechter.

Richtig ungustiös ist aber die mit der Darstellung suggerierte Unterstellung, dass diejenige, die meinen, dass alles gleich bleibt, auch meinen, dass schon alles gut ist. Es bleibt alles gleich, kann auch heißen, es bleibt alles gleich schlecht! Und rein gefühlsmäßig würd ich meinen, dass das die in Niederösterreich häufiger benutzte Interpretation ist. „Is eh scho wurscht“ ist so originär niederösterreichisch, dass es kaum noch auffällt, wie man sieht.

Und dann fällt noch auf, dass die, die diese Frage nicht beantwortet hatten nur mit einem kleinen Hinweis ausgeblendet wurden. Dieser Hinweis ist aber rein layouttechnisch entscheidend plaziert. Dort ruht das ganze grafische Gebilde auf, das ist der Dreh- und Angelpunkt. Damit entsteht der Eindruck, dass sich die Grafik nach rechts neigt, hin zum Besseren. Gesamteindruck: ist eh alles in Ordnung, alles wird besser, ihr braucht gar nichts weiter zu tun, ihr braucht mich nur zu wählen, dirilull, dirilei etc.

Das schreit jetzt natürlich nach einer Darstellung, die zeigt „wie es wirklich ist“:

Natürlich ist diese Darstellung ebenso tendenziös wie das Original – und ist auch leicht überhöht, um die Kontraste zu schärfen. Entspricht aber der Lebenswirklichkeit Vieler wohl eher.

In der Originalgrafik ist das Verhältnis schlechter:besser flächenmäßig 218:436 und damit eindeutig positiv gewichtet. In der adaptierten Grafik ist dieses Verhältnis 541:159 und damit deutlich anders. Selbst wenn man unterstellt, dass je die Hälfte derjenigen, die keine Antwort abgaben und derjenigen, die gleichbleibend stimmten, aufgeteilt wird, kommt man auf ein Gewichtsverhältnis von 379,5:320,5 mit der dann naheliegenden Interpretation: es ist nicht alles in Ordnung, es wird nicht alles besser und eigentlich sollten wir ein bisschen was tun, damit es tatsächlich besser wird.

Ist ja nur eine Umfrage??

Was bedeutet es, wenn die Allmacht im Land lauter schlafende Leute plakatieren lässt? Genau, wir sind schon mitten im Wahlkampf. Nach dem Motto „Schlaf, Völkchen, schlaf“ läuft anscheinend gerade die ganz große, finale Einlullungswelle.

Um zu solchen Fotos zu kommen, muss mensch wirklich nicht lange gehen – ich hab sie praktisch vor der Haustüre gemacht. Es ist, als ob die niederösterreichische Volkspartei (NÖVP) und die ihr hörigen Organisationen das Land mit schwarzen Wattebällchen zubombardieren wollten, auf dass sich nur ja nichts mehr rühren kann. Die Absolute muss im März nämlich um buchstäblich jeden Preis gehalten werden, sonst droht auch Niederösterreich das Kärntner Schicksal, genauer gesagt, der NÖVP das Schicksal der FPK. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das einige Leute ganz schön antreibt.

In so einem Umfeld Politik zu machen, sprich etwas bewegen, etwas zum Lebendigeren hin verändern zu wollen, gestaltet sich zur Zeit ausgesprochen zäh. Um die Menschen zu erreichen, müssen wir anscheinend zuerst ganze Gebirge schwarzer Watte abtragen (wie entsorgt mensch so etwas eigentlich fachgerecht?) und laufen dabei ständig Gefahr, sie in ihrer von höchster Stelle angeordneten wohlverdienten Ruhe zu stören.

Mit Verlaub: das ist ein echter Scheißjob! Hat man endlich einmal einen derart Verschütteten sondiert und sich zu ihm vorgearbeitet, empfindet der diese Begegnung freilich zu aller erst einmal als Komfortverlust. Irgendwo muss man die Dämmung ja wegnehmen, um überhaupt kommunizieren zu können. Und natürlich ist der erste Eindruck der, dass es ungewohnt und unangenehm zugig und gleißend hell wird. Gefolgt möglicherweise von einer Panikattacke, wenn derjenige gewahr wird, dass ihn das anfangs wohlige Wattebettchen an Ort und Stelle festgeschnallt und bewegungsunfähig gemacht hat. Von da bis zum wirklich befreiten Durchatmen-Können ist es dann immer noch ein wahrlich weiter Weg.

Wen interessierts?

Der „Erfolg“ dieser Einlullungspolitik in Zahlen: noch 2004 gaben 19% von 2000 österreichweit Befragten an, sich nicht um Politik zu kümmern. 2012 sind es schon 33% (vgl. die Grafik oben, Quelle). Nicht nur der Anteil, auch die Geschwindigkeit mit der sich das ändert, ist höchst alarmierend. Der Anteil der politisch Interessierten ist im Gegenzug von 26 auf 19% zurückgegangen und man möchte erschrocken fragen: wer kümmert sich eigentlich noch um unsere Demokratie? Und werden es in ein paar Jahren überhaupt noch genug sein, um sie am Leben zu erhalten? Besonders bitter: politisch interessiert heißt noch lange nicht politisch engagiert. Da bewegen wir uns wahrscheinlich schon im Zehntelpromille-Bereich, Tendenz vermutlich ebenso stark fallend. Das will sich einfach niemand mehr antun.

Es ist ja wieder einmal so typisch. Die NÖVP hat ein Problem erkannt und wirft prompt und mit Eifer alles in die Schlacht um Abhilfe zu schaffen, schließlich muss man in erster Linie Handlungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen demonstrieren. Gefragt, welches Problem da eigentlich erkannt wurde, wird nicht. Die Menschen wollen zum Beispiel allem Anschein nach Auto fahren, also müssen wir Straßen bauen. Mir fällt heute noch das Blut aus dem Gesicht, wenn ich daran denke, dass seinerzeit in einer Analyse der niederöstereichischen Mobilitätsbeziehungen auf Wien einfach vergessen wurde. Jahrzehntelang wurden hierzulande Autobahnen gebaut und nebenbei die Nachbarschaft in völliger Gedankenlosigkeit mit Blech geflutet. Jetzt reagiert man ebenso überrascht wie empört, dass Wien gegensteuern muss, weil einfach kein Platz mehr ist. Tja, und jetzt hat man halt den Blechsalat. Vorausschauende Politik schaut anders aus oder die Ziele dieser Politik sind abgrundtief böse. Wobei zwischen Gedankenlosigkeit und Bösartigkeit im Effekt nur wenig Unterschied ist.

Wo man in Niederösterreich hinschaut, überall das selbe Muster. Die Menschen wollen Sicherheit, also plakatiert man schlafende Menschen in allen Varianten. Die Menschen wollen, dass alles so bleibt wie es ist, also betoniert man alles ein. Die Menschen wollen die volle Auswahl, also lässt man riesige Einkaufstempel bauen. Die Menschen wollen Autofahren, also baut man überall überbreite Autobahnen. Die Menschen wollen in ihrem Häuschen im Grünen wohnen, also fördert man Ein- und Zweifamilienhäuser, koste es was es wolle. Die Menschen wollen eine starke Führung, also markiert man den starken Mann. Die Menschen wollen stabile Verhältnisse, also nagelt man alles fest, was sich nur irgendwie rühren könnte. Die Menschen möchten von den Parteien in Ruhe gelassen werden, also hält man alles fern, was nach Politik ausschaut. Begleiterscheinungen? Wen interessiert das?

Jahrzehntelang hat die NÖVP das so erfolgreich betrieben, dass man jetzt gar nicht mehr sagen kann, ob das die Menschen wirklich so wollten oder ob nur mehr die übrig geblieben sind, die das wollen, und die, die sich nicht mehr wehren können und deshalb resigniert haben, sprich: sich mit ihrem nunmehr kleinen Leben fest gepackt in schwarzer Watte abgefunden haben, weil ihre Hilferufe einfach nicht mehr gehört werden können.

Das ist zum Schreien menschenunwürdig. Deswegen tun wir auch weiter.

Liebe Grüße und nicht verzweifeln – wir holen Euch da raus. Wer sich schon bewegen kann, möge bitte mithelfen. Dann geht es schneller. Wir brauchen gefühlte drei HelferInnen um je eine/n Verschütteten zu bergen. Danke für die viele Arbeit, liebe NÖVP, kann ich da nur sagen…

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen