Europa is a Wauhnsinn! Sadness is over!

London eröffnete eben die Olympischen Spiele 2012. Was für eine geniale Idee Paul McCartney mit „Hey Jude“ schließen zu lassen. Es war, als würden die Beatles unvermutet wieder auferstehen. Kaum ein besserer Zeitpunkt ist denkbar. 1980 wurde John Lennon ermordet, fast zur gleichen Zeit übernahmen Thatcher und Reagan die Ruder, ein finsteres Zeitalter war eingeläutet. 1986 Tschernobyl, 1989 flutet der freie Markt wütend das Gebiet der ehemaligen Sovietunion, ungeachtet etwaiger gesellschaftlicher Verwerfungen. 2001 New York usw.

Ich kann mich noch sehr genauer erinnern. Es war ein trostloser Tag in einem trostlosen Herbst, als mir die Nachricht von Lennons Tod einschoss. Es war das erste Mal in meinem Leben, wo ich eine abgrundtiefe Trauer empfand. Eine, die einen grauen Schleier über mein ohnehin schon trostloses (ich war da gerade hochpupertierend) Dasein warf. Bis zu dem Augenblick jetzt eben, wo McCartney „Hey Jude“ ins Londoner Olympiastadion singt, als wären die Beatles nie weg gewesen. Ich verfolg den McCartney ja nicht so sehr, aber irgendwie kam mir vor, als ob ihm das selbst in dem Moment klar geworden wäre: Die Beatles waren nie tot! McCartney hat den Spirit gerettet.

In dem Zusammenhang – die Briten richten die Olympischen Spiele aus und fahren so naturgetreu bzw. so authentisch wie möglich alles auf, was ihr Land an Einzigartigkeiten hervorgebracht hat – dürfen die Beatles natürlich nicht fehlen! Oja, darauf kann man stolz sein. Es ist ein famoses Identitätsangebot. Darüber kann man echt lange meditieren.

Und dann denke ich mir, pfau, eigentlich ist das ja mittlerweile schon ein europäisches Identitätsangebot. Und dann kam der Gedanke, der mich umwarf und immer noch staunen lässt: Wenn ich mich als Europäer mit den Beatles, Voltaire, Servantes, Shakespeares genauso identifizieren „darf“ wie mit Mozart, Beethoven oder Schubert, überhaupt mit allen, was der Kontinent so hervorgebracht hat in seiner mehrtausendjährigen überaus lebendigen Geschichte, dann hab ich jetzt erstmal eine ganze Menge zu verarbeiten. Europa bekommt damit ja eine völlig neue Perpektive! Es ist eine Gemengelage an unterschiedlichen Gesellschaften, die dabei sind das Gemeinsame zu identifizieren. London war da jetzt ein sehr schönes Angebot, und auch das deutsche Sommermärchen war schon so ein Angebot. Wir müssen uns besser kennenlernen, wir müssen von unseren Stärken und Schwächen wissen, damit wir empathisch und sozial nachhaltig kooperieren können.

Das einzig dem Profit unterworfende Konkurrenzdenken muss endlich ein Ende finden. Stéphane Hessel! Was für ein leuchtender Europäer! Ich bin wirklich stolz auf uns (EuropäerInnen) und dankbar, dass wir in einem Soziotop leben „dürfen“, dass solche Menschen hervorbringt! Einer der großen europäischen Lehrenden! Ethische Authentizitäten bester Güte! Ja, ich bin stolz, Europäer zu sein. Ich will mich bemühen und mich diesem Kontinent würdig erweisen. Das macht Sinn. Es stiftet Bedeutung. Und was Bedeutung für einen hat, dass verletzt mensch nicht.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ – Da steht das schon drinnen. 1948 verabschiedet, da wo alle noch den Krieg in den Knochen hatten und ihnen völlig klar war, dass so etwas nie wieder passieren dürfe und was nun zu tun ist. Unrecht muss eliminiert und durch Recht ersetzt werden. Immer und bei jeder Gelegenheit. Wo Unrecht herrscht, muss Recht geschaffen werden.

Europa! Was für eine Chance! Die Zeit der Betäubung und Duldungsstarre ist vorbei! Dein Gewissen ist geschärft! Du weißt genau, was Unrecht ist! Setzt Euch zusammen und schafft Recht und Gerechtigkeit! Auf welchen Beweis wollen wir noch warten, dass es so wie bisher nicht weiter gehen kann?

Alsdern jetzt ist ein globales Identity-sharing angesagt. Weil Europa ist super, aber wir sind schließlich eine ganze Menschheit aus 7 Milliarden ganzen Menschen. Was für eine geniale Idee, dieses Olympia! Danke, liebe GriechInnen! ευχαριστώ!

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2 Antworten zu Europa is a Wauhnsinn! Sadness is over!

  1. Eckhart Landes schreibt:

    Sehr schöner Beitrag. Mir ging es ähnlich mit der Eröffnungsfeier der Olymischen Spiele 2012. Und dann zum Schluss – P.McCartney mit „Hey Jude“ – ich bekam Gänsehaut. Hier schließe ich noch einen interessanten Artikel an: http://www.pageballs.com/ueber-lieder-und-melodien-der-beatles

  2. akinmagazin schreibt:

    Das ist jetzt eine Satire, gell?

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