2011 Keine Chance!

(Dieser Text sollte so gelesen werden, als würde ihn z.B. der bekannte österreichische Kabarettist Thomas Maurer vortragen.)

Gaddafi läßt den globalen Hofnarren heraushängen und gibt gerade seine Paraderolle in einem selten komischen Stück Zeitgeschichte. Man könnte schreiend lachen, wenn einem nicht zum Schreien wäre.

Da zündet sich in Tunesien einer an. Dann stellt sich heraus, dass die Menschen dort keine Zukunftsperspektive haben, weil die Lebensmittelpreise schmerzhaft teurer wurden. Aufstand. Sie verjagen ihren Präsidenten. Dann gehts in Ägypten weiter. Aufstand. Sie verjagen ihren Präsidenten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich da so mancher im Westen gedacht hat: „Also wenn das so einfach ist, dann könnten wir da in Libyen doch ein bissl nachhelfen.“ Gaddafi wird schon darauf gewartet und die Probenarbeit aufgenommen haben. Man kann über Gaddafi sagen, was man will, ab er ist schon so etwas, was man in Wien einen „echt odrahten Hund“ nennt. Meint durchtrieben durch und durch, aber nicht ohne Humor! – und man muss schon einen gewissen Humor haben, wenn man mit Regenschirm und Golfwagerl im Fernsehen auftritt und erklärt, man hätte nicht mit den Rebellen reden können, weil es zu regnen angefangen hat.

Als sie im Westen dann gemerkt haben, dass das mit der Facebook-Revolution in Libyen nicht ganz so funktioniert, kamen sie in Legitimationsnotstand. Sie mussten noch ein bisschen mehr nachhelfen und gingen dazu über, Gaddafi in Grund und Boden zu verteufeln. Auch darauf hat Gaddafi schon gewartet und zeigt die lange Nase. Er akzeptiert die UN-Resolution und ruft einen Waffestillstand aus, den seine Leute allerdings überhören.

Der Westen haut mit Raketenzeugs auf Libyen ein und Gaddafi zieht umringt von einem jubelnden menschlichen Schutzschild „mit Olivenzweigen in den Händen als Zeichen des Friedens“ (O-Ton ZIB 13),  völlig ungeschützt durch die Straßen von Tripolis. Wie soll der Westen den Mann loswerden, außer durch eine abgrundtief peinliche Aktion?

ZIB 13: Gaddafi-Truppen weiter offensiv – man beachte die Schlussszene.

Sarkozy tobt wahrscheinlich schon wie ein napoleanisches Rumpelstilzchen.

Die europäischen Politiker können einem schon leid tun. Was da alles für unvorhergesehene Gschichteln auftauchen. Merkel und Westerwelle beschließen den Ausstieg vom Ausstieg und fahren voll gegen einen Tsunami. Strasser jagt als Lobbyisten getarnte Journalisten und wird nun durch all seine Posterln durchgereicht. Sarkozy glaubt, er macht mal schnell eine Facebook-Revolution und kommt da versehentlich dem David Copperfield der politischen Hinterlist in die Quere, von dem eh alle schon immer wussten, das der eigentlich nicht berechenbar ist… Sche bled 🙂

Shakespeare hätte seine Freude mit dem Stoff.

Ja, alles was nicht von Haus aus nachhaltig angelegt ist, geht irgendwann vorbei – wir können uns aber aussuchen ob in 5 Jahren oder in 500, also zumindest ansatzeise.

Und natürlich muss man sich auch fragen, was eigentlich wirklich gerade passiert, wenn die Weltpolitik eine derartige Show abzieht. Und was man tun kann, um all das Not und Elend, das da dahinterstckt zu mildern. Irgendwas muss ihnen da über den Kopf wachsen. Werden sie überhaupt noch fertig damit? Wie hoch muss die Dosis Ablenkung sein, um die Medien zu beschäftigen? Welche Opfer rechtfertigt das?

Mehr Kommunikation bitte! Wie heißt euer Problem wirklich? Vermutlich ist es ohnehin schon länger auch unser Problem. Wir müssen das bitte wissen!

No more war!

*

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2 Antworten zu 2011 Keine Chance!

  1. Klaus schreibt:

    der blog ischt cool, man! weil wir in den bergen sind auch nicht dumm, odrrr?

  2. ricooner schreibt:

    Krieg gegen ein historisches Wasserprojekt?

    http://www.hoerstel.ch/hoerstel/News/Eintrage/2011/3/20_Libyen__Sollte_ein_historisch_wichtiges_Wasserprojekt_gestoppt_werden.html

    Ich hoffe stark, dass diesmal keine DU-Munition und Uran-Bomben wichtige Wasserreservoirs verseuchen (Halbwertszeit U-238: 4,5 millionen jahre…), wie damals in Tora Bora (der Höhlenkomplex in Afghanistan wo sich angeblich Bin Laden verschanzt hatte) wo wochenlang diese Munition verschossen wurde. Interessanterweise entspringen dort die meisten Quellen…
    Die Anzahl der extremen Missbildungen in Afghanistan und im Irak nimmt erschreckend zu…

    Weitere Infolinks zum Thema Libyen (selbstverständlich keine Wahrheitsgarantie):

    Videointerview mit Christoph Hörstel
    http://nuoviso.tv/kanaele/studio-lounge/274-terrormanagement

    Informationsblog (selber erst heute entdeckt)
    http://www.erinnerungsforum.net/forum/sehenswertes/gegen-das-vergessen/45/

    lg

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