2007 Zivilgesellschaft vs. Parteipolitik?

Zur Kritik an den Grünen in Österreich

Liebe Leute! Zuvorderst vielen Dank, dass Ihr mit Euren Stellungnahmen und Forderungen die sicherlich notwendige Diskussion zur Situation der Grünen in Österreich intensiviert. Allerdings scheinen sie gespickt mit Erwartungserhaltungen die so nicht erfüllbar sind und den dazugehörigen Missverständnissen, dass ich einmal ganz persönlich darauf eingehen möchte bzw. muss.

Ich schreibe jetzt aus der Perspektive des „politischen Funktionärs“ (obwohl mich das kalte Grauen anrührt, wenn ich mich selbst so bezeichne). Aber emotionsfrei betrachten bin ich das wohl, denn vor gut 2 Jahren bin ich auf einer Grünen Liste in den Perchtoldsdorfer Gemeinderat gewählt worden und bemühe mich seit 4 Jahren u.a. um den Aufbau, die Präsenz und die lösungsorientierte Entwicklung einer Grünen Ortsgruppe, um die Vernetzung mit anderen Ortsgruppen im Bezirk, um die Kommunikation mit der Landes- und Bundespartei, tue also vieles, was landläufig einem klassischen Politfunktionär zugeordnet wird.

Davor war ich jahrelang ausgiebig in verschiedenen NGO-Szenen unterwegs und vermute, dass ich eine gewisse Ahnung davon habe, wie Zivilgesellschaft funktioniert, habe mir zumindest aus eigener Anschauung und Erfahrung einen Vergleich zwischen Zivilgesellschaft und Parteipolitik erarbeiten können.

Vorneweg, so viel Unterschied ist da im Grunde nicht. Da wie dort kommen die oft zitierten kleinen Grüppchen von Engagierten vor, die sich bisweilen unter Selbstausbeutung einer bestimmten Sache angenommen haben und diese vorantreiben wollen. Da wie dort ist die Liste an Dingen, die eigentlich auch getan werden sollten, elendiglich lange. Da wie dort muss der Aufgabenbereich auf ein gesundes Maß eingegrenzt werden. Da wie dort kann mensch sich ohne große Schwierigkeiten einen ausgewachsenen Burn out einfangen.

Das einzige, was sich für mich verändert hat, ist, dass sich das Verhältnis von Dingen, die ich aus einer gewissen Leidenschaft heraus mache und denen, die halt auch abgearbeitet werden müssen, ein Stück zuungunsten ersterer verschoben hat. Gut, das ist in Ordnung, ich bekomme dafür ja auch eine Aufwandsentschädigung (und damit keine falschen Vorstellungen hochkommen: mein monatliches Gesamteinkommen beläuft sich derzeit auf etwa € 1.700,-, wobei der größere Teil davon von meinem 20-Stunden-Dasein als Angestellter in der Privatwirtschaft kommt). Ich will jetzt aber gar nicht nachrechnen, wie viele Wochenarbeitsstunden bei mir durchschnittlich anfallen, der Stundensatz dürfte lächerlich sein. Aber ich habe keine Problem damit, weil ich ohnehin nicht allzu oft dazukommen, Geld auszugeben.

Die allermeisten GrünaktivistInnen, die ich in den letzten Jahre kennen lernen durfte, leben in einer ähnlichen Doppelkonstruktion. Einerseits ein Brotberuf, meistens sind etliche Kinder zu versorgen, und andererseits ein „Sinnberuf“, wo die Dinge getan werden, die eigentlich auch dringend gemacht gehörten, die aber mangels Direktvermarktbarkeit im Neoliberalismus kaum eine Chance auf entsprechende finanzielle Abgeltung haben.

Da gibt es doch den Spruch: wenn dir die Nachrichten nicht gefallen, geh hinaus und mach selber welche. Das lässt sich transponieren: Wenn dir die Demokratie nicht gefällt, geh hinaus und mach sie so, wie du sie haben willst. Oder noch mal: Wenn dir die Grünen nicht gefallen, dann geh hinein und mach sie besser. Wir arbeiten ständig an der Verbesserung und zweckdienliche Beiträge sind jederzeit willkommen.

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