2004 Was heißt ‚andere‘ Welt?

Quelle: Internetpräsenz von Barbara Waschmann

Text von Barbara Waschmann und Christian Apl (ASF-Vorbereitungsgruppe) erschienen in glocalist #14

‚Es wird gelogen, dass es nur so kracht. Das muss aufhören. Die Leute müssen endlich überhaupt erst einmal wissen können, was sich hinter ihren Rücken abspielt und dafür sind wir jetzt hier und das soll auch so weitergehen.‘ meinte Claudia Werlhof *), Politikwissenschafterin mit Schwerpunkt Matriarchatsforschung an der Universität Innsbruck, beim 1. Austrian Social Forum in Hallein zur neoliberalen Umstrukturierung auf allen Ebenen.

Und es geht weiter. Dieses Wochenende hat eines der österreichweiten Vorbereitungstreffen zum 2. Austrian Social Forum (ASF) diesmal in Wien stattgefunden. Anlass war der Rückblick auf das 2. Europäische Sozialforum in Paris und der Auftakt der Vorbereitungsarbeiten zum nächsten Sozialforum in Österreich, das von 03.-06. Juni 2004 in Linz veranstaltet wird.

Auch hier wurde sichtbar, was Christoph Eschbacher *), Gemeindevertretung Stadt Hallein, dem Veranstaltungsort des 1. ASF 2003, so beschrieb: ‚Ausgesprochen ungewöhnlich und neu für Österreich ist, dass es eine unglaubliche Vielzahl von Initiativen gibt, die sich auch immer weiter entwickeln, sehr sehr schnell gründen und dann nicht wieder sofort verschwinden.‘

Paris – eine aufwendige Organisation. Nirgendwo noch waren in Europa 30.000 Kopfhörer für 52.000 Menschen bei einem Veranstaltungsreigen im Einsatz. 1.200 ehrenamtliche DolmetscherInnen rangen mit Europa’s Babylon.

Auf Anfrage der US-amerikanischen Anti-Kriegsbewegung schloss sich das Plenum der Sozialen Bewegungen in Paris dem Aufruf zu einem internationalen Aktionstag gegen Krieg und Besatzung am 20. März 2004 an.

Zwischenzeitlich hat auch der EGB (Europäischer Gewerkschaftsbund) an seine Mitgliedsorganisationen die Empfehlung ausgesprochen, sich an dem, in Paris ausgerufenen, Aktionstag für ein Soziales Europa Anfang April 2004 zu beteiligen.

Kritik am EU-Konvent und dem bisherigen Verfassungsentwurf führte zum Aufruf eines internationalen Aktionstages am 09. Mai 2004. Die Festschreibung der neoliberalen Marktlogik, die damit einhergehende EU-Militarisierung, fehlende Rücksicht auf Ökologie u.a. weichen mittlerweile der Debatte über EU-Grundsatzfragen und Kern-Europa.

In der Reflexion über das ESF in Paris spielt die Kritik an frontalen Vorträgen von Podien herab und noch zu intransparente Entscheidungsprozesse einen wichtigen Anknüpfpunkt für die weitere Entwicklung der Sozialforen.

Von der Analyse zum Konkreten
Wiewohl es außerordentlich wichtig ist, über Funktionsweisen beispielsweise der WTO, deren Auswirkungen und Zusammenhänge zu informieren und zur Bewusstseinsbildung beizutragen, nimmt das Bedürfnis zu, über die reine Analyse hinauszugehen, die gesellschaftlichen Zugänge zu verschränken und konkrete Zukunftsszenarien zu entwerfen.

Eine Möglichkeit sieht Peter Schissler *), Gewerkschaft der Chemiearbeiter, darin, ‚dass die Menschen stärker an der Politik der Regionen und in der Gemeinde mitbestimmen können – sie gefragt werden, wofür Budgetposten zu beschliessen sind‘ und ‚die Leute wirklich wieder an ihrem Leben mitbestimmen zu lassen.‘ In Linz wird das gesamte Stadtzentrum bespielt, bis zu 50 Veranstaltungen sollen gleichzeitig stattfinden können. Thematisch wird das 2. ASF um die Frage ‚Was heißt ‚andere‘ Welt?‘ kreisen und sich insbesondere mit dem beschäftigen, was jedeR einzelne im eigenen Alltag tun kann.

Um es mit United Alien *) zu sagen: ‚Wir haben durchaus Potenzial erkannt, dass Menschen durchaus fähig sind, vernünftig zu denken.‘ Durchaus.

http://www.socialforum.at
www.fse-esf.org
*) zitiert aus der ASF-Videodokumentation über das 1. ASF von UTV, www.utv.at/socialforum

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