Diese Erde ist ein wunderbarer Planet … und tief im Herzen mögen die Menschen einander

Dieser Satz findet sich im Fazit von Daniele Gansers „Illegale Kriege“. Er kommt etwas überraschend, wenn mensch davor die 13 Kapitel über 13 illegale Kriege gelesen hat, wo es einem bei jedem einzelnen die Sprache verschlägt und der Gerechtigkeitssinn vor lauter Reizüberflutung schon so gut wie taub ist.

Auf 373 Seiten mit 726 Fußnoten seziert Ganser historisch professionell etliche Ereignisse bis zur jüngsten Zeitgeschichte, die so, wie sie geschildert werden, nicht so recht mit dem vertrauten und gewohnten Weltbild zusammenpassen wollen, mit dem ich aufgewachsen bin. Wenngleich der Verdacht schon immer irgendwie im Raum hing, dass das nicht ganz so gelaufen ist, wie es der berühmte Mainstream erzählt. Die Fragen waren schnell da, alleine sie wurden bestenfalls nur außerhalb der Öffentlichkeit diskutiert und trugen zum Spinnen der allgemeinen Erzählung kaum bei.

Das Buch liest sich flüssig. Ja, ich konnte es kaum weglegen. Das große Fragezeichen wurde immer deutlicher und vereinigte sich mit vielen weiteren, die sich im Laufe meiner Lebensgeschichte angesammelt hatten. Pochend stand es dann über den letzten drei Kapiteln (Ukraine, Jemen und Syrien) und ich las immer schneller, um die Qual endlich zu beenden und endlich damit beginnen zu können, einen Plan zu entwickeln, wie diese Qual auch tatsächlich aus der Welt geschafft werden kann. Mit dem Fazit hatte ich dann gar nicht gerechnet. Aber es ist Ganser hoch anzuerkennen, dass er nicht nur die Probleme analysiert und uns dann damit alleine lässt, sondern er bietet doch tatsächlich Lösungsvorschläge an, wo so klar ist, dass das jetzt mit aller Kraft angegangen werden muss, wie nur irgend etwas klar sein kann.

Im Fazit findet sich auch das Leitmotiv, das dem Werk wohl zugrunde liegt: „Die UNO-Charta und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gehören zu den wertvollsten historischen Dokumenten, sie sollten uns allen als Orientierung im 21. Jahrhundert dienen. Ich kann jedem nur raten, diese beiden Dokumente durchzulesen und darüber nachzudenken“ (S. 330).

Es beginnt aber so:

Daniele Ganser, Illegale Kriege, S. 328

Daniele Ganser, Illegale Kriege, S. 328

Ganser legt damit das Inhaltsverzeichnis für eine umfassende Anklageschrift vor. Es bräuchte nur noch Kläger, ein zuständiges Gericht und eine Macht, die die allenfalls fälligen Sanktionen, dann auch durchzusetzen vermag. Es ist klar, was zu tun ist. Es gilt ein Höchstmaß an Legitimität zu organisieren, eine, die sich aus dem freiwilligen, überzeugten Entschluss möglichst vieler Menschen speist. Dazu gibt es ja Internet sei Dank schon unzählige Ansätze, die nur noch zueinander finden müssen, um ihre Energien zu bündeln und sich wechselseitig zu stärken.

Lasset uns fröhlich vernetzen! Sie mögen die Milliarden haben, wir sind Milliarden!

Ganser bilanziert aber noch weiter:

Daniele Ganser, Illegale Kriege, Seite 331

Daniele Ganser, Illegale Kriege, Seite 331

Aus genau diesem Grund haben sich übrigens im „Kanton“ Mödling einige Leute zusammengefunden und eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich der Aufgabe stellt, die SDGs auf regionale und lokale Zusammenhänge umzulegen. Die Baustelle kann hier besichtigt werden: https://drive.google.com/open?id=0B5PwOZxmm3kYSzNwNHhKUnAwck0 – aber das nur am Rande.

Zurück zu Gansers Illegalen Kriegen. Untertitel: Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien. Obwohl oder gerade weil absehbar ist, dass nicht nur mit dieser Untertitelung einige Tabuzonen berührt, wenn nicht gar aufgeschlagen werden, wodurch die zu führenden Diskurse sicherlich emotional aufgeladen werden, sei dem Werk jedenfalls breiteste Rezeption gewünscht. Es wird Kritik von allen Seiten ernten. Und es wird wohl keine schmutzige Methode ausgelassen werden, um Ganser und „seine Anhängerschaft“ zu diffamieren. Eine scheinbar weit offene Flanke bieten da die Quellen, auf die Ganser zurückgreift. Die Auswahl scheint für herkömmliche Geschichtswerke doch sehr breit getroffen. Von unverdächtigen Quellen wie die verschiedenen UNO-Protokolle bis zu zumindest im Mainstream eher anrüchigen Quellen ist sehr vieles dabei. Und damit natürlich auch einiges, wo sich der sogenannte kritische Diskurs aufhängen und verheddern kann.

Allerdings ist die breite Quellensichtung natürlich auch ein Qualitätsmerkmal für jede wissenschaftlich-historische Arbeit. Und so, wie ich Ganser mittlerweile einschätze, kann er für jede verwendete Quelle überzeugende Argumente vorbringen. Eine stichprobenartige Überprüfung ließ an diesem Gedanken keine Zweifel aufkommen, eher im Gegenteil. Da kündigen sich eine Reihe hochinteressanter quellenwissenschaftlicher Diskurse an.

Aber noch gibt es Wichtigeres zu tun. Es gilt, dieser Maschinerie, die Not und Elend in die Welt trägt, den Stecker zu ziehen. Wir brauchen die Energie, die da hineinfließt für den Aufbau einer tatsächlich friedlichen Welt. Vom Technischen ins Menschliche gewendet heißt das, Legitimität dort abbauen und hier aufbauen. Da davon auszugehen ist, dass die weit überwiegende Mehrheit Krieg nicht legitimiert, sondern im Gegenteil alle Legitimität beim Frieden sieht, kann es nur mehr darum gehen, diese Legitimität durch geschickte Vernetzung sichtbar zu machen und ihr damit so viel Gewicht zu verleihen, dass sie auch tatsächlich wirksam wird.

Entlang folgender Pfade könnte sich die planetare Zivilgesellschaft verdichten:

  1. Der juristische Pfad. Hier sind alle RechtswissenschaftlerInnen insbesondere mit Schwerpunkt Völkerrecht, aber auch Umweltrecht und Wirtschaftsrecht gefragt. Es gilt das jeweils anstehende juristische Prozedere im Detail auszuarbeiten – von der Anklage bis zur Sanktion.
  2. Der friedensaktivistische Pfad. Hier geht es um Hilfestellung bei der Aufarbeitung von Konflikten aller Art. Zum Thema „Gewaltfreiheit“ wurde schon sehr viel gearbeitet und es gibt auch schon reichlich Erfahrung aus der Praxis. Diesbezüglich schon existierende Initiativen und Organisationen gehören gestärkt. Schließlich gehört ein Seminar „Friedensbildung“ im doppelten Wortsinn in jede Bildungsbiografie.
    1. Zur Vertiefung hier eine Übersicht zum Thema Krisenprävention von Thomas Roithner: https://nzz.at/archive/was-du-heute-kannst-besorgen https://nzz.at/archive/was-du-heute-kannst-besorgen
  3. Der mediale Pfad. Die herkömmlichen Medien befinden sich in einer schweren Krise. Es gilt neue Formate zu entwickeln und vor allem Glaubwürdigkeit und Breite zu gewinnen. Und es gilt die großteils verwüstete mediale Landschaft wieder urbar zu machen. Hier mögen sich alle Medienschaffenden – vom Flugblattautor bis zur Filmproduzentin, vom Aktivisten bis zur Geschichtenerzählerin und insbesondere natürlich die JournalistInnen, die sich einem rechtsstaatlichen Ethos verpflichtet haben – angesprochen fühlen, es müssen alle Kanäle bespielt werden.
  4. Der politisch-organisatorische Pfad. Im Zeitalter der Menschenrechte kann es nur mehr Aufgabe der Politik sein, den Diskurs und die zugehörigen Entscheidungsprozesse demokratisch zu organisieren, ergebnisoffen zu moderieren und dokumentierbar zu finalisieren. Also letztendlich das geschriebene Gesetz, die Legalität, wieder, vielleicht auch erstmals, mit der Legitimität in Deckung zu bringen.
  5. Der aktivistische Pfad. Hier geht es darum, das eigene Leben so zu organisieren, dass Nachhaltigkeitskriterien Genüge getan wird – und einander dabei gegenseitig zu unterstützen. Ansatzpunkte gibt es dabei so viele wie Bedingungen für ein gelingendes Leben notwendig sind. Vom Wasser, über die Luft, die Nahrung, das Wohnen, die Bildung, die Arbeit, die Gesundheit, die Energieversorgung, über die Mobilität bis zur Entsorgung – alles kann und muss durchleuchtet werden, um die richtigen Einstellungen vornehmen zu können.
  6. Der kreative Pfad. Da sich ernstzunehmende Kunst und auch die Wissenschaft immer schon mit dem Ausloten und Aufzeigen von Möglichkeiten beschäftigt hat, kann es hier nur heißen: bitte macht weiter! Wir brauchen jedes Quäntchen Inspiration.
  7. Der spirituelle Pfad. Bei allem Bemühen wird immer ein Unbekanntes bleiben, das dennoch interpretiert werden muss.

Alle diese Pfade oder Stränge werden schon von vielen Menschen, Initiativen und Organisationen bearbeitet. Aber auch hier gilt: niemand darf zurückgelassen werden. Deswegen braucht es auch Scouts, die aufsuchend unterwegs sind und dabei helfen, dass jede und jeder „ihren“ oder „seinen“ stimmigen und gut lebbaren Platz im Gesamtnetzwerk findet.

Es gibt reichlich zu tun. Gehen wir es an.

Ein herzliches Dankeschön an Daniele Ganser und sein Team für diesen ebenso mutigen wie elaborierten Beitrag!

 

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Pfau!

Seit Oktober 2013 hat sich eine ganze Menge getan und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll zu erzählen. Damals war ich hochgradig urlaubsreif und heiß ersehnte fünf Tage Urlaub im Waldviertel winkten. Ich werde mir das nächste Mal aber gut überlegen, ob ich das nochmals so mache. Die ersten drei Tage hatten es in sich. Geplant war buchstäblich nichts: kein Internet, kein Fernseher, kein Telefon, nur Ruhe, Ruhe, Essen, Schlafen, Lesen, in Ruhe Nachdenken und so. Mit dem Wetter hatte ich Glück, der 1. November war ein strahlend schöner Tag, das südseitige Küchenfenster war die ganze Zeit weit offen. Aber mir war von Anfang an irgendwie klar, dass jetzt eine Entscheidung ansteht: Entweder ich bau die Straßenbahn selbst oder es passiert nie oder erst irgendwann.

Am dritten Tag war ich dann soweit. Das schneeweiße Konzeptpapier betörte immer unwiderstehlicher. Ich musste heim. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Schon am 19. November erging diese Nachricht an einen ersten InteressentInnenkreis: http://tramondemand.wordpress.com/2013/11/19/die-erste-konzeptskizze/ – dort geht die Geschichte auch weiter. Heute sind wir etwa hier: https://www.openpetition.de/petition/blog/wir-wollen-eine-innovative-strassenbahn-in-der-region-moedling

Es war und ist schier unglaublich, wie sich da Menschen zusammenfinden und miteinander arbeiten, als hätten sie es immer schon so gemacht. Freilich gibt es da und dort Dissonanzen, aber es sind alle erwachsen genug, um damit professionell umzugehen. Es ist eigentlich ein Wunder 🙂

IMG_8800Deswegen einfach nur: Pfau mit einem riesigen Dankeschön!

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Wachstum für immer?

Nico Paech 2

Nico Paech läßt mit seiner Non-Wachstumsthese aufhorchen und fordert einen schonenderen Umgang mit Ressourcen.

Am Samstag, dem 22. Februar 2014 luden die Grünen im Bezirk Mödling in Kooperation mit Attac Mödling, der Grünen Bildungswerkstatt NÖ und dem Grünen Wirtschaftsreferat NÖ zu einer längst überfälligen Diskussion zum Thema Wachstum in die Stadtgalerie Mödling. Sie konnten mit Nico Paech von der Universität Oldenburg den Postwachstumsökonomen im deutschsprachigen Raum gewinnen und mit Stefan Schulmeister einen der renommiertesten Vertreter der traditionellen Wachstumsökonomie. Diese gewiss nicht einfache Diskussion wurde gekonnt von der Obfrau der Grünen Bildungswerkstatt Burgenland, Dagmar Tutschek moderiert.

„Wer heute noch Wachstum fordert, verhält sich verantwortungslos“

Paech warf gleich zu Beginn eine seiner Grundthesen in den Raum: Wer heute noch Wachstum fordert, verhält sich verantwortungslos, denn das System ist an viele seiner Grenzen gestoßen und es ginge heute nur mehr darum, den Kollaps zu gestalten. Er teilte mit, dass die Party vorbei sei und allfällige Panikaktionen, um sie doch noch zu verlängern, vergebens sind. Wir sind mit dem Peak Everything konfrontiert, was die Ressourcen betrifft. Die beschleunigt wachsende Nachfrage beginnt dem nicht mehr Schritt haltenden Angebot davon zu galoppieren. Das bedeutet, dass die Ressourcen, die zur Fortsetzung des Wachstums nötig sind, schlicht nicht verfügbar sind. Dann gibt es eine sozialpolitische Wachstumsgrenze: Es ist zu beobachten, dass mit dem materiellen Wachstum auch die gesellschaftlichen Ungleichheiten zugenommen haben. Die finanzpolitische Wachstumsgrenze wurde spätestens mit der Subprime-Krise 2007 sichtbar. Und die ökologischen Wachstumsgrenzen machen sich z.B. am rasanten Flächenverbrauch bemerkbar.

„Wohlstand alleine macht nicht glücklich“

Anhand dreier Geschichten bemühte sich Paech die Problematik anschaulich zu machen. 1. Die Geschichte vom Grundwasser: im urbanen Raum können hier immer mehr Antidepressiva nachgewiesen werden – Wohlstand alleine macht offenbar nicht glücklich. 2. Die Geschichte vom tiefen Fall eines technologischen Messias: Auch Grünes Wachstum führt nicht zum Ziel, so gut wie immer machen Rebound-Effekte etwaige Fortschritte in der Entlastung der Ökosphäre zunichte. Paech meint mit Wachstum immer Wachstum des BIP, des Bruttoinlandsprodukts. Wachstum des BIP bedeutet automatisch, dass auch irgendwer reicher wird. Aber was machen wir mit dem zusätzlichen Geld? Inzwischen lässt sich nachweisen, dass jeder zusätzlich ausgegebene Euro auch ein bis 5 Kilo CO2 zusätzlich erzeugt – Wachstum erzeugt also nicht nur entstehungsseitig, sondern auch verwendungsseitig Belastungen über die Limits hinaus. Und es sei wohl völlig unmöglich, die Menschen dazu zu animieren ihr Geld zu verbrennen.

„Bescheidenheit, Entschleunigung, Zeitwohlstand statt Konsumwohlstand sind angebracht!“

Und drittens die Geschichte von einer möglichen Zukunft. Wir brauchen ein neues, nämlich reduktives Kulturmodell. Genügsamkeit, Bescheidenheit, Entschleunigung, Zeitwohlstand statt Konsumwohlstand. Das sei keine Verzichtspredigt. Die wichtigste Ressource ist Zeit, ohne Zeit kann man nicht konsumieren. Es braucht Zeit um Aufmerksamkeit zu generieren. Der Todfeind des Genusses sei die mangelnde Konzentration. Suffizienz heißt in einer Welt der Konsumverstopfung nicht Verzicht sondern Selbstschutz. Es ginge um einen grundlegenden Umbau der Versorgungssysteme, die Gewichtungen zwischen globaler, regionaler und individueller Versorgung müssen adaptiert werden, es geht um eine neue Balance. Eigenproduktion, Gemeinschaftsnutzung und Nutzungsverlängerung sind die drei Hauptfelder, die stärker in den Fokus rücken müssen. Schlüsselressourcen wären dabei eigene Lebenszeit, handwerkliche Fähigkeiten und soziale Kompetenz.

„Mangelndes Wirtschaftswachstum ist nicht für alle Krisen verantwortlich“

In seiner Replik gestand Schulmeister ein, dass er sich mit solch apodiktischen Aussagen und apokalyptischen Anklängen schwer tut. Er kritisiert, dass Wirtschaftswachstum für alle Krisen verantwortlich gemacht wird. Während der legendären Ära des Nachkriegswachstums waren die Leute auch erstaunlich gelassen und es gab nicht den Stress, der heute existiert. Das BIP sei auch kein brauchbarer Indikator um so etwas wie Wohlstand zu messen. Mit der Verschiebung in die Dienstleistungsgesellschaft ginge auch der Ressourcenverbrauch zurück.

Schulmeister ist sich aber mit Paech einig, dass Wachstum kein Allheilmittel ist. Schulmeister geht von den unmittelbar bedrückendsten Problemen aus und stellt sich gesellschaftliche Entwicklungen als einen Suchprozess vor. Gesellschaftsarchitekten hätten in der Geschichte immer versagt. Das ja bereits seit den 1960er-Jahren rückläufige Wirtschaftswachstum habe eine ganze Reihe von Problemen erzeugt, auf die Antworten gefunden werden müssen. Arbeitsplätze. Eine schrumpfende Wirtschaft stellt eine Gesellschaft vor das Problem, den sozialen Anforderungen trotzdem gerecht werden zu müssen. Schulmeister fokussiert sich auf das politisch Machbare. Wenn wir aber den anderen 6 Milliarden Menschen den gleichen Wohlstand wie bei uns nur in den 1960er-Jahren zugestehen, brauchen wir ein Wachstum über Jahrzehnte hinaus.

Tutschek leitete schließlich eine spannende Diskussion ein, die sich um Fragen drehte wie: Wie verteilen wir die Arbeit? In wieweit ist eine Postwachstumsökonomie weniger krisenanfällig als die derzeitige? die am Youtube-Kanal der Grünen Mödling von Friedel Hans in bewährter Weise aufbereitet wurde und dort nachgeschaut werden kann.

Der Grüne Bezirkssprecher Christian Apl abschließend: „Wir hoffen damit eine längst fällige Diskussion angestoßen zu haben und laden herzlich ein, sich an dieser zu beteiligen. Wir werden auch mit weiteren Veranstaltungen dieser und sonst nützlicher Art den Prozess sehr gerne unterstützen. Es geht letztendlich darum, diese Rakete namens westlicher Zivilisation, die zur Zeit von fast 90 Millionen Barrel Öl – und zwar täglich – befeuert durch die Zeit schießt, irgendwo sicher zu landen bevor uns der Sprit ausgeht. Wobei das Irgendwo natürlich vorzugsweise das Paradies wäre“ fügt Apl augenzwinkernd an.

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Es ist nicht zum Aushalten!

Die sollen ihre und unsere Zeit nicht mit dämlichen Koalitionsspielchen verplempern. Es gehört auf der Stelle einiges in Angriff genommen. Angefangen bei Fukushima, wo sofort alles daran gesetzt muss, dass das so schnell als möglich entschärft wird – und da müssen wirklich alle mitanpacken! Bis zu den Menschen, die im Mittelmeer ersaufen, weil sie aus ihrer Heimat flüchten müssen, weil wir (der „Westen“) ihnen ihre Lebensgrundlagen zerstört oder entzogen haben.

Ich versteh gar nicht, wieso die noch nicht im Parlament sitzen und einen „Fukushima-Minister“ wählen, der sich um nichts anderes kümmert, als Fukushima in Ordnung zu bringen. Da kann man ein Budget dafür zur Verfügung stellen, der Minister hätte einen glasklaren Auftrag und get scho!

Dann sollen sie einen Minister wählen, der sich nur um die Flüchtlinge nach Europa kümmert: ein glasklarer Auftrag, ein Budget – und get scho! Das muss doch jetzt und noch dazu nach dieser Wahl völlig wurscht sein, von welcher Partei die Leute sind! Hauptsache das Werkel kommt endlich in die Gänge! An wieviel Not und Leid wollen wir uns denn noch mitschuldig machen???

Der nächste Minister beschäftigt sich mit dem Gift in unseren Lebensmitteln! Es ist doch ein erstklassige Sauerei, was da mit uns gemacht wird. Der profitwütigen Agrarindustrie gehört Einhalt geboten. Die Energie, die da hineingebuttert wird, gehört umgelenkt in Lebensenergie für alle. Ein glasklarer Auftrag, ein Budget und get scho!

So, und dann ist doch bitte völlig klar, dass wir einen Minister brauchen, der sich um die Medien kümmert. Die sollen endlich wieder nahrhafte, also wirklich brauchbare Informationen liefern! Diese Giftbrühe, die uns da täglich serviert wird, ist doch nur noch zum Abdrehen. Auftrag klar, Budget wird reserviert und get schon!

Die nächste Wahl ist ein Minister für Mobilität. Wieviel Lebenszeit und Energie wollen wir noch in und mit irgendwelchen Blechkisteln vergeuden? Wir wissen doch alle schon, dass das gegenwärtige Mobilitätssystem das ineffizienteste ist, dass man sich vorstellen mag. Und wir wissen auch schon, wie es geht. Es gehört nur mehr endlich, endlich gemacht: Klarer Auftrag, Budget und get schon!

Generell gehört für alle Bereiche, wo Menschen Not und Elend leiden und ihnen Lebensmöglichkeiten genommen werden, Spezialminister beauftragt, die den jeweiligen Misstand beheben. Und wenn unsere Realverfassung das alles nicht hergibt, dann baut sie gefälligst um, ihr seit die Gesetzgebung, ihr dürft das. Das ist euer Job und euer Auftrag. Ihr alle wurdet gewählt, damit die Geschichte wieder in die Gänge kommt. 40 Jahre mentale Stagnantion sind definitiv genug!!!

So, und wenn einmal das Wichtigste erledigt ist, könnt ihr euch immer noch überlegen, in welchen Farben ihr eure Regierung tapezieren wollt.

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Grünes Selbstverständnis

Die Grünen sind keine herkömmliche Partei. Dennoch werden sie von den meisten durch die Brille betrachtet, die sich für herkömmliche Parteien herausgebildet hat. Für viele ist es einfach nicht vorstellbar, dass eine Partei auch anders funktionieren könnte. Dabei ist das für viele unerträgliche parteipolitische Gehabe ein wichtiger Grund, warum es überhaupt eine Grüne Partei gibt.

Parteibuchwirtschaft, parteipolitisch motivierte Postenbesetzungen und Klubzwang werden schon länger als der Demokratie abträglich betrachtet und die tatsächliche Demokratisierung war ein wesentliches Gründungsmotiv für die Grünen – neben dem Eintreten für den Umweltschutz selbstverständlich.

Das Dilemma war aber auch von Anfang an klar. Ohne Partei kann man bei der in Österreich geltenden Gesetzeslage keinen direkten Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess nehmen. Gesetze werden im Parlament gemacht, und um dort hinzukommen, muss man sich dem Listenwahlrecht mit allen zugehörigen Formalitäten fügen – nicht aber den damit oft einhergehenden Auswüchsen.

Dementsprechend ist die Skepsis gerade bei den Grünen gegenüber allem, was nach Partei riecht, auch nach 20 Jahren noch extrem ausgeprägt. Man könnte deswegen auch sagen, die Grünen sind nur so viel Partei, wie es eben notwendig ist, um Gesetze mitgestalten zu können, haben sich bisher aber recht erfolgreich gegenüber allem erwehrt, was darüber hinausgeht.

Die Grünen sind auch keine eingeschworene Gesinnungsgemeinschaft, sie sind vielmehr ein offenes Netzwerk in einer offenen Gesellschaft. Es gibt auch keine Chefs oder Chefinnen, obwohl das in fast jedem Medienbericht erzählt wird. Es gibt Sprecherinnen und Sprecher, die versuchen, den  Konsens des Gremiums, von dem sie gewählt wurden, wieder zu geben.

Man muss nicht Parteimitglied sein, um sich im Grünen Projekt zu engagieren. Die Grüne Partei ist auch nicht die Spitze einer wie immer gearteten Grünen Bewegung. Unter dem Generalziel „Etablierung einer ganzheitliche Nachhaltigkeit“ lassen sich eine Reihe von Initiativen und Organisationen einordnen, die alle in ihrem Bereich notwendig sind, weil es nicht nur um legistische Veränderungen geht, sondern um einen gesellschaftsweiten Mentalitäts- und Kulturwandel.

Die Menschen, die diesbezüglich aktiv werden, machen das aus eigener Einsicht, die sich meist auch aus eigenen Erfahrungen speist. Sie müssen nicht indoktriniert oder auf Linie gebracht werden. Sie haben schon verstanden, dass es so nicht weitergehen kann, und wollen sich von ihren Kindern und Kindeskindern nicht eines Tages vorwerfen lassen, nichts dagegen unternommen zu haben. Sie beschäftigen sich im Grunde alle mit der Frage: wie müssen wir uns und unser Leben organisieren, damit das Leben inklusive Menschheit auf diesem Planeten gut gedeihen kann? In 100 Jahren, in 1.000 Jahren, in 10.000 Jahren, so weit unser Denken mit den bisher verfügbaren Erfahrungen halt reicht.

Die Grünen betreiben deswegen auch keine Klientelpolitik im herkömmlichen Sinn, sie sind aber im Sinne der Sozialen Nachhaltigkeit ständig bemüht, die Stimmen derjenigen zu verstärken, die sonst nicht gehört werden würden, inklusive Vertretung der existentiellen Interessen der uns Nachfolgenden.

Verstehbar machen, gestaltbar machen, sinnhaft machen.

Das ist das, was Grüne im Wesentlichen so die ganze Zeit tun. Und um das geht es auch. Die Menschheit hat ein gehöriges Wissen angehäuft, man weiß heute im Großen und Ganzen wie die Welt funktioniert und hat auch eine erkleckliche Anzahl von Erfahrungen aus der Geschichte zur Hand. Bei manchen Fehlern reicht es völlig, wenn sie einmal gemacht werden und die dadurch gemachten Erfahrungen dürfen einfach nicht verloren gehen.

Natürlich ist es nicht in jedermanns Interesse, wenn alle die Welt verstehen würden. Wie hat schon Henry Ford gemeint? Wenn die Leute verstünden, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir schon vor morgen Früh eine Revolution. Die Vernebler sind auch tatsächlich in bezahlten Heerscharen unterwegs und die Grünen könnten sich rund um die Uhr damit beschäftigen, die Nebel wegzublasen. Andererseits kostet die Aufrechterhaltung einer Lüge Geld, wohingegen sich die Wahrheit spätestens dann durchsetzt, wenn der Lüge das Geld ausgeht.

Basisdemokratie ist ein Grüner Grundwert.

Das heißt, jede und jeder soll bei Entscheidungen, die sie oder ihn betreffen, mitgestalten können. Jede Stimme hat gleiches Gewicht, jedes Anliegen ist wichtig. Und die Mündigkeit eines Menschen verleiht ihm eine Souveränität, aber auch eine Verantwortlichkeit, die zudem nicht delegierbar ist. Befehlszwang geht nicht mehr. Ausreden gelten nicht. Deswegen müssen Strukturen geschaffen werden, wo tatsächlich jede und jeder niederschwellig mitgestalten kann.

Sinnhaft machen: es fühlt sich auf Dauer einfach besser an, die Welt (vor Ort!) zu retten als sie kaputt zu machen. Etwas, was man verstanden und wo man mitgestaltet hat, hat einfach eine andere Bedeutung für einen selbst. Es macht Sinn. All das hebt die Grünen von den herkömmlichen Parteien sehr deutlich ab.

Die anderen Parteien aus grüner Perspektive

Eine konservative Partei beispielsweise, wie in Österreich die Volkspartei, ist um die Bewahrung der errungenen Besitzstände bemüht. Das ist auch durchaus nachvollziehbar, wer etwas hat, will das auch gerne erhalten, insbesondere, wenn sie oder er es sich selbst im Schweiße des Angesichts hart erarbeitet hat. Oder weil man sich ein Leben ohne all die Besitztümer gar nicht mehr vorstellen kann und dementsprechend eine riesige Angst vor Verlust derselben hat. Die Fokussierung auf Erhaltung der Besitzstände hat aber auch ihre Tücken, die nicht nachhaltige Vorgangsweisen produzieren können. Die Volkspartei muss beispielsweise alles, was sie nicht kontrollieren kann, von vorne herein als Bedrohung wahrnehmen und womöglich kontrollierbar machen. Sie muss, wo es nur geht, abwehren, absichern und kontrollieren und sie wurde dadurch zu einem Staat im Staat mit einer entsprechend starken ausschließenden Komponente. Wer nicht dazu gehört, ist automatisch Feind. Wer die Parteilinie verlässt, wird ruhig gestellt. Man darf sich keine Blöße geben, keine Schwäche zeigen.

Wer am lautesten gegen vermeintliche Feinde poltert, vertritt die Interessen der Partei am Besten. Das ist durchaus menschlich – diese Verhaltensmuster haben sich über Jahrzehntausende, als die Menschen noch in Stammesgesellschaften lebten und mit Fremden nicht allzu oft in Berührung kamen, herausgebildet. In modernen Zivilisationen, wo mehrere 100 Millionen Menschen beteiligt sind und einem das Fremde jedem Augenblick begegnet, ist das natürlich stark hinterfragenswürdig, aber es wird wohl noch ein paar Generationen dauern, bis sich hier praxistaugliche Sozialtechniken herausgebildet haben. Das Phänomen der Massengesellschaften ist ja entwicklungsgeschichtlich noch ein sehr junges, in Europa gerade einmal ein paar hundert Jahre altes, also praktisch nichts im Vergleich zu den paar Millionen Jahre, seitdem Hominiden in Rudeln leben.

Die Sozialdemokratie war sich dessen vermutlich einmal bewusst, wollte das Menschenbild revolutionieren, hat sich aber im parteipolitischen Hickhack und jahrzehntenlangen Lagerkämpfen zum perfekten Spiegelbild der konservativen Parteien entwickelt, die die feindlichen Fremdzuschreibungen schließlich selbst geglaubt hat. Man wollte dann schließlich nichts mehr, außer den Wohlstand gerecht zu verteilen. Das war das einzige, was man gegenüber den anderen und vielen eigenen Leuten verstehbar kommunizieren konnte. Die, die bisher leer ausgegangen waren und einst ihr Leben in Not, Elend und Ausbeutung erlitten, sollten auch etwas vom Kuchen abbekommen. Wenn es allen gut ginge, hätte sich die Partei erledigt, hieß es noch in den 1980ern. Nun scheint es so weit zu sein. Das Klientel ist weitgehend bedient.

ÖVP gegen SPÖ, das war lange Zeit ein Match von Kapitalisten mit zu viel Geld gegen Kapitalisten mit zu wenig Geld. Nachhaltigkeit mit allem was dazu gehört war im Eifer des Gefechts nur ein lästiger Nebengedanke. Umweltschutz? Ja, eh wichtig, aber wir müssen aufpassen, dass uns die anderen im ständigen Gerangel nichts abzwacken. Das Ganze war schon lange aus dem Blick geraten.

Und die FPÖ? Naja, ein Sammelsurium an Romantikern, Politkarrieristen und Mitläufern, die sich immer wieder quasi als ÖVP-Vorfeldorganisation fürs ganz Grobe einspannen lässt und sich nicht zu schade ist, niedrigste Instinkte zu bedienen.

Weiter in die Zukunft schauen als die anderen

Wenn man sich so anschaut, wie unsere Gesellschaften zurzeit funktionieren und welche Ansprüche von einer überwiegenden Mehrheit an ein gutes Zusammenleben gestellt werden, dann ist völlig klar, was getan werden muss. Nicht ganz zufällig steht das alles auch im Grünen Programm (gruene.at).

Es geht darum, uns so zu organisieren, dass auch noch die uns Nachfolgenden ihre Lebensbedürfnisse befriedigen können – und zwar gewaltfrei. Wir wären schlechte Eltern, wenn wir unseren Kindern eine ausgeplünderte Welt hinterlassen und sie von einen Krieg in den nächsten ziehen müssen, weil sich die Menschheit nicht mehr anders zu helfen weiß. Seit 1987 verbrauchen wir mehr Ressourcen als auf unserer Erde in einem Jahr nachwachsen. Damals fiel der sogenannte World Overshoot Day, der Tag ab dem die Menschheit von der Substanz lebt, auf den 19. Dezember. Seitdem wandert er immer weiter ins Jahr hinein. Heuer war es der 20. August.

Nein, es geht nicht darum, dass wir uns alle kasteien und so weiter tun wie bisher nur halt auf Sparflamme. Es geht vielmehr darum, dass wir unsere Hirne einschalten und die von uns geschaffenen Systeme so umbauen, dass sie auch noch in 100, 1.000, 10.000 Jahren gut – sprich friedlich und somit gewaltfrei – funktionieren. Das geht. Davon sind wir Grüne überzeugt.

Es ist ja nicht so, dass unsere Gesellschaft an allen Ressourcen Raubbau betreiben würde. Sie tut das eh nur dort, wo irgendwer viel Geld damit verdienen kann. Die Sonne hingegen schickt uns täglich so viel Energie, wie wir momentan in 8 Jahren verbrauchen. Ja täglich! Und das ohne Rechnung. Und wie lange wir Menschen von unseren mentalen Ressourcen in vollem Wohlstand leben könnten, wenn wir sie denn wenigstens zum Teil konstruktiv nutzen würden, darüber gibt es nicht einmal noch Schätzungen.

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Die Bahn hat eine Zukunft

Bahn hat Zukunft-CoverDie Kaltenleutgebner Bahn – was für eine Chance!

Okay. Es gibt nun also eine Studie, die im Auftrag des VOR die verschiedenen Möglichkeiten für den Öffentlichen Verkehr im Kaltenleutgebner Tal untersucht hat. Sie kommt zum Ergebnis, dass „die Wiederaufnahme eines Bahnbetriebes in unterschiedlichen Varianten auf Grund der hohen Investitionskosten bei vergleichsweise niedrigem Fahrgastpotenzial nicht vertretbar ist.“ Einig sind sich aber alle, dass die Trasse erhalten bleiben soll, falls es einmal eine neue technologische Lösung geben sollte. Damit hakt man das Thema ab und will sich auf die „Beschleunigung der bestehenden Busverbindungen“ konzentrieren. Da die Busse aber ebenso wie die Privat-Pkw im Stau stehen werden, wird das mit der Beschleunigung wohl nicht ganz so aufgehen. Wer wirklich eine Lösung will, muss das ganz anders denken …

Die Kaltenleutgebner Bahn – einmal ganz anders gedacht

In jedes Gebäude mit mehr als drei Etagen wird heutzutage ein Lift eingebaut. Wenn es barrierefrei sein soll sogar schon, wenn es nur einen Höhenunterschied zu überwinden gilt. Niemand fragt sich dabei, ob so eine Investition vertretbar ist. Im Gegenteil: eine Wohnung oder gar ein Büro im fünften oder sechsten Stock ohne Lift ist praktisch unverkäuflich. Dementsprechend viel Aufwand wird auch getrieben, um Gebäude auch nachträglich mit einem Lift auszustatten.

Was wäre nun, wenn die Trasse der Kaltenleutgebnerbahn nicht als Bahn sondern als Lift  genutzt wird? Bei den Stationen gäbe es beispielsweise einen Rufknopf und in der Kabine gäbe es ein Tablett, wo man einen Knopf drücken kann, um dem Lift mitzuteilen, wo man aussteigen will. Moderne Lifte lernen und wissen mit der Zeit, wo die Kabinen über den Tag verteilt jeweils benötigt werden. Ihr „Fahrplan“ ergibt sich aus dem tatsächlichen Bedarf. Und im Gegensatz zu herkömmlichen Liften können auf Geleisen auch mehrere Kabinen gekoppelt werden, falls zu Spitzenzeiten ein größeres Fassungsvermögen benötigt wird. Das hätte den Vorteil, dass die Kabinen eher klein gehalten werden können (10 bis 12 Personen Fassungsvermögen müssten reichen) und sich z.B. der Energieaufwand an den tatsächlichen Bedarf anpasst. In einem Lift gibt es auch keinen Chauffeur, was sich entscheidend auf die Betriebskosten auswirkt. Rein technisch wäre das bei allen nötigen Sicherheitsvorgaben auch schon realisierbar.

Die Kabinen wären natürlich elektrisch angetrieben und mit Akkus ausgestattet. Diese könnten in der betriebsarmen Zeit aufgeladen oder einfach gegen voll geladene ausgetauscht werden, falls es schneller gehen muss. Und auch die Bremsenergie kann auf der abschüssigen Strecke genutzt werden, um die Akkus zu laden. Damit könnte die Trasse im Prinzip, so wie sie jetzt schon ist, befahren werden. Natürlich müssten sich die Kabinen superleise bewegen, mit erneuerbarer Energie versorgt werden und auch das Design muss was hermachen. Hier wäre aber durchaus großes Potenzial für ein weiteres Wahrzeichen.

GUT, ABER WER SOLL DAS BEZAHLEN?

Bei einem herkömmlichen Lift werden die Errichtungs- und Betriebskosten in die Kosten des damit versorgten Gebäudes inkludiert bzw. wird eine Lifteigentümergemeinschaft errichtet, über die die Kostenverteilung und die Betreuung organisiert wird. Dieses Modell könnte durchaus auch für unser Projekt als Vorlage dienen, wenngleich es wohl etwas komplexer, aber damit nicht unbewältigbar wird. Die „Lifteigentümergemeinschaft“ könnte aber so offen konzipiert sein, dass alle an der Strecke Wohnenden bzw. jene, die den Lift regelmäßig nutzen wollen, partizipieren können. Darüber hinaus ist auch die Öffentliche Hand gefragt, da bei der Verkehrsproblematik in unserer Region sicher ein öffentliches Interesse gegeben ist. Und sie wird sich auch nicht nobel heraushalten können, wenn schon von privater Seite ein entsprechendes Investitionsangebot vorliegt.

Sinnvollerweise wird man die Einrichtungsphase auch als Forschungsprojekt anlegen, was es ja tatsächlich auch ist, womit zahlreiche Fördertöpfe angezapft werden können. Und wenn man es einigermaßen geschickt aufsetzt, werden sich auch die laufenden Betriebskosten in vergleichsweise sehr überschaubaren Dimensionen bewegen.

Also – mit ein bisschen Phantasie und dem nötigen politischen Willen ließe sich auf der Trasse der Kaltenleutgebnerbahn ein echtes Vorzeigeprojekt mit wahrem Leuchtturmcharakter verwirklichen, das die Problematik der suburbanen Mobilität vorbildhaft angeht.

DER NÄCHSTE SCHRITT

Der nächste Schritt ist eindeutig die Bildung einer Projektgruppe, die aus dieser Konzeptskizze ein konkretes, durchgängig umsetzbares Projekt macht, die dazugehörigen Verhandlungen führt und die Partizipationswilligen koordiniert respektive animiert. Nicht nur als Mobilitätsgemeinderat sondern auch als unmittelbar betroffener und partizipationswilliger Anrainer – wir leben hier quasi auf Augenhöhe mit der Bahn – bin ich gerne bereit mindestens den Geburtshelfer für diese Projektgruppe zu machen. Wer sich also inspiriert fühlt und von Anfang an bei einem genauso phantastischen wie herausfordernden Projekt dabei sein will, möge sich bitte bei mir melden.

Kabinen

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Zwischen Privat und Öffentlich

IMG_2989Auf dieses Meditationsdiagramm sind wir heute bei der Sommerklausur der Perchtoldsdorfer Grünen gestoßen. Es ging um Mobilität und Bildung, Öffentlicher Raum und auf einmal war auch die Privatsphäre da. Die heilige Privatsphäre, die heutzutage das einzig wirklich anstrebenswerte Ziel zu sein scheint, die Ungestörtheit, die Kontrolle, die Sicherheit.

Klar ist, dass die Privatsphäre auf Kosten des Öffentlichen Raumes ausgeweitet wurde. Weniger Staat, mehr Privat war die durchschlagende Maxime der letzten Jahrzehnte. So erfolgreich, dass das Private heute aufgebläht scheint und eine Blase nach der anderen erzeugt und alles Staatliche, das gemeinsam Organisierte, ausgezehrt und kraftlos darnieder liegt.

Aber wann beginnt Öffentlichkeit? Bzw. wo endet Privatheit? Für viele scheint Öffentlichkeit dort zu beginnen, wo mehr als ein Mensch dem Gesprochenen zuhört. Wenn zwei oder mehr Menschen zuhören, ist man schließlich schon in der Unterzahl und es gibt Zeugen. Das Gesprochene kann gegen einem selbst verwendet werden. Das was man spricht, bekommt dadurch ein anderes Gewicht. Und es ist quasi irreversibel in die Welt gesetzt.

Man verpflichtet sich, übernimmt Verantwortung für das, was man spricht, belastet sich. Und das ist gar nicht sexy in einer Welt, wo einem jede Last abgenommen wird, soferne man dafür zahlen kann bzw. gewillt ist, das zu tun. Je bequemer es sich in der eigenen Privatheit einrichten lässt, umso weniger hat man den Drang nach „draußen“ zu gehen, in eine unkontrollierbare und unberechenbare Öffentlichkeit, wo einem Ungemach dräuen könnte.

Was bedeutet es aber, wenn alle die reine Privatheit pflegen und die Öffentlichkeit denen überlassen, die ihnen bezahlterweise diese Last abgenommen haben? Eines ist völlig klar: die Menschen werden der Öffentlichkeit entwöhnt und damit jenen Dingen, die nur im Öffentlichen Raum entstehen können, als da sind: Demokratie, Bildung, Mobilität mitsamt ihren Folgeerscheinungen und allem, das geschickterweise kollektiv organisiert wird.

Im Öffentlichen Raum entsteht Verbindlichkeit. Und zwar umso mehr Verbindlichkeit, je mehr ZeugInnen es gibt. Es wird eine Wahrheit erzeugt und bezeugt. Eine Wirklichkeit geschaffen, in der die Beteiligten hinkünftig ihr Leben verbringen. Öffentlichkeit entsteht dort, wo auf kommunikativem Weg Wirklichkeit gestaltet wird, wo Wirklichkeit, wo Zukunft verhandelt wird.

Wenn die Öffentlichen Räume ausdünnen, stagniert eine Gesellschaft demnach mehr und mehr. Und wer hätte heute nicht das Gefühl, das wir eigentlich schon vor 40 Jahren so weit gewesen wären, die nächsten weiterführenden Schritte zu setzen? Der gesellschaftliche Fortschritt ist nur mehr ein schleichender, weil wir die Öffentlichen Räume dem Verkehr in privaten Isolationstanks überlassen haben. Für Demokratie, Bildung und Mobilität, hier durchaus auch als geistige Mobilität zu verstehen, ist tendenziell oder schon real kein Platz mehr.

IMG_2994Es muss daher in erster Linie darum gehen, dem Öffentlichen mehr Raum einzuräumen. Aber schauen wir uns zunächst an, wie Öffentlichkeit und Bildung zusammenwirken.

Zunächst gibt es da den afrikanischen Sinnspruch: „Um ein Kind großzuziehen braucht es ein ganzes Dorf.“ Dorf kann hier unschwer als Metapher für Öffentlichkeit erkannt werden. Das ist auch leicht nachvollziehbar, wenn man sich vorstellt, welche mentale Gestalt ein Mensch annimmt, der ausschließlich in seiner eigenen Privatheit, ohne jeden Kontakt zu einem anderen Menschen, aufwächst. Er müsste ohne dem über Generationen generierten Wissen auskommen.

Klar, die Anhänger der Privatheit werden nun sagen: Freilich muss man von anderen lernen, aber ich will die Kontrolle darüber haben, von wem meine Kinder lernen sollen. In Sorge um das Wohl der Kinder ist es ja auch durchaus legitim zu prüfen, welchen Einflüssen das Kind ausgesetzt ist. Aber wenn man sich einmal in seiner Privatheit wohlig und sicher eingerichtet hat, ist man natürlich bestrebt, sie in diesem Zustand zu konservieren. Es passt eh alles, wieso sollte etwas verändert werden? Veränderung bedeutet schließlich immer auch, die Wände der Schutzhülle einzureißen und frische Luft hereinzulassen. Dabei schwingt immer auch die Gefahr mit, dass plötzlich die Legitimität der ethischen Fundamentierung in Frage steht, was zu schweren Irritationen und Ungemach führen kann.

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